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Decker Moritz Titelbild

„PPP-Stories: Eindrücke aus 35 Jahren“- Teil 4: Moritz´ Jahr in Chicago

Moritz genießt gerade die letzten Wochen seines Auslandsjahres in den USA. In diesem Bericht blicken wir mit ihm zurück auf eine unvergessliche Zeit voller neuer Herausforderungen, Erlebnisse und Abenteuer.

„Kaum zu glauben, dass meine Bewerbungsphase zu diesem Zeitpunkt schon 1 ½ Jahre zurückliegt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass meine Berufsschullehrerin am ersten Tag nach den Sommerferien in unser Klassenzimmer kam und den Flyer von der GIZ in der Hand hielt. Sie wusste selbst nicht so ganz, was das für ein Programm ist. „Hat da irgendeiner Interesse dran“, hat sie dann gefragt. „Joa“, haben wir noch ziemlich uninteressiert geantwortet.

Was ich damit sagen will ist, dass ich damals niemals gedacht hätte, dass ich ein Jahr später in Chicago sitze.

So beginnt Moritz aus Wesel in NRW seinen Abschlussbericht über das Auslandsjahr, das gerade hinter ihm liegt und dessen letzte Wochen er gerade noch in vollen Zügen auskostet. Er dankt dem Zufall, dass seine Lehrerin an diesem Tag den Programmflyer in seiner Klasse hochgehalten hat, er so auf das Programm aufmerksam wurde und all die Abenteuer erleben durfte, die es mit sich bringt.

Nur vom Programm zu wissen, reicht natürlich nicht. Man muss sich auch bewerben. „Gefühlt musste man zehn Aufsätze schreiben, sich also wirklich damit auseinandersetzen, warum man in die USA will und warum man selbst es verdient hat.“ Doch der Aufwand sollte sich lohnen, denn Moritz wurde nach Bonn eingeladen und hätte am liebsten zu diesem Zeitpunkt schon seine Flugtickets in die USA gebucht, wenn da nicht noch die Aufgaben und das persönliche Interview im Rahmen der Auswahltage im Weg gestanden hätten. Die fand er jedoch sehr fair. „Ein Englisch- und ein Allgemeinwissens-Test stand auf der Agenda, zusätzlich sollten wir uns vor einer Kommission in Form von Gruppenarbeit beweisen.“
Danach passierte jedoch zunächst erst einmal lange nichts, und Moritz hatte schon fast mit einer möglichen Teilnahme abgeschlossen. Bis dann endlich der Anruf aus dem Sekretariat von Frau Weis kam, der Bundestagsabgeordneten aus seinem Wahlkreis. „Auf einmal ging alles sehr schnell, sie kam zu Besuch und anschließend erhielt ich die offizielle Bestätigung, dass ich als Teilnehmer ausgewählt wurde.“ Später erfuhr er dann auch, dass zwei andere Bewerber aus seiner Gruppe während der Auswahltage, ebenfalls als Teilnehmer ausgewählt wurden.

Moritz mit seiner Gastfamilie.

Zur Vorbereitung fand ein Seminar im Kurort Bad Bevensen statt, auf dem sich eine Teilgruppe der Teilnehmer erstmals kennen lernen konnten und ihnen umfassende Informationen mit an die Hand gegeben wurden, um sie für die bevorstehende Zeit zu rüsten. „Während des Seminars mischte sich Vorfreude und Ungeduld mit kompletter Ahnungslosigkeit“. Ein guter Gefühlscocktail also, der einen genau in die richtige Stimmung versetzte. „Was mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, war die Betreuung durch die ehemaligen PPPler. Den Erfahrungsberichten zuzuhören war unglaublich wichtig. Es ist eine Sache, wenn jemand von der Programmleitung Probleme aufzählt, auf die man stoßen könnte, aber eine andere, wenn dir jemand eine echte Situation schildert. Die ganzen Erfahrungen, Bilder und Videos von ehemaligen Teilnehmern haben die gespannte Erwartung auf die USA natürlich noch einmal gesteigert.“

Dann wirklich in New York anzukommen war überwältigend für Moritz: „Auf der einen Seite will man die Stadt sehen und alle berühmten Orte besuchen, auf der anderen Seite erst einmal realisieren tatsächlich in den Staaten angekommen zu sein und die Infos von Cultural Vistas (der US-amerikanischen Partnerorganisation der GIZ) verarbeiten. Dazu kommt noch, dass man demnächst das erste Mal auf seine Gastfamilie trifft.“ In seinem Fall waren das Victor und Bill aus Chicago, er hatte also zwei Host Dads. „Das Leben mit den Zwei würde ich jetzt nicht als typisch amerikanische Familie bezeichnen, aber das heißt keines Falles, dass es mir nicht gefällt, ganz im Gegenteil. Ich fühle mich richtig wohl mit den beiden. Mit Victor besuche ich Museen und mache das ganze Kulturprogramm, mit Bill unterhalte ich mich über Sport, er erklärt mir Baseball und nimmt mich mit ins Stadion.“ Gerade in den ersten Wochen halfen sie Moritz sehr sich an sein neues Zuhause zu gewöhnen, waren fast jeden Tag unterwegs, deswegen kam nie Langeweile oder gar Heimweh auf. So hielt sich der Kulturschock in Grenzen,

es fühlte sich mehr an wie ein richtig schöner Urlaub.

Moritz bei der Gruppenarbeit auf dem Zwischenseminar in Washington D.C.

Das College-Leben hatte er sich allerdings anders vorgestellt, mehr wie aus den Hollywoodfilmen. Er ging zu einem City College mitten in Downtown-Chicago. „Das heißt der Campus war ein elfstöckiges Gebäude, das von doppelt so großen Gebäuden umzingelt war. Es gab kaum Sportangebote, nur wenig Clubs (was den deutschen Vereinen gleichkommt) und die Studenten haben versucht ihren Abschluss zu machen, während sie teilweise parallel zwei Jobs hatten, um das Ganze zu finanzieren.“ Und auch wenn die Realität ihn in diesem Fall enttäuschte, wurde er so auch gezwungen aus seiner Comfort-Zone herauszukommen, wenn er das Meiste aus seiner Zeit dort machen wollte. Er fing also an alle angebotenen Veranstaltungen zu besuchen, die er finden konnte. Vom Besuch des französischen Konsuls am College, über die Ugly-Sweater-Party und das Fundraise Dinner vom UN – Chapter, um so neue Leute kennen zu lernen.  Rückblickend hatte er also doch eine ziemlich schöne Zeit und konnte obendrein seine Englischkenntnisse verbessern: „Ich bin der Überzeugung, dass ich gut 80-90% von allem, was gesprochen wird verstehe, selbst jemand mit einem starken Dialekt spricht. Dass sich mein Englisch verbessert hat, habe ich insbesondere im College bemerkt, da ich dort viel zuhören musste.“

So wurde Moritz bei HDI begrüßt.

Besser gefallen hat es ihm bei HDI, einem Versicherungsunternehmen, bei dem er seit Januar sein Praktikum absolviert. Als Kaufmann im Gesundheitswesen passt dies genau zu seinen Fähigkeiten, außerdem hatten sieben seiner acht Vorgänger bereits bei HDI gearbeitet. Seine Platzierung in Chicago durch Cultural Vistas war also goldrichtig. „Mein Aufgabenfeld gefällt mir richtig gut und meine Kollegen sind ein Traum. Das Team ist relativ jung und unternimmt auch viel zusammen außerhalb von der Arbeit, das war neu für mich. In Deutschland hatte ich eher den Eindruck wir arbeiten zwar zusammen, das heißt aber noch lange nicht, dass wir Freunde sein müssen. Das ist hier ganz anders. Dazu kommt, dass man in Chicago unglaublich viel machen kann. Freitags gehen wir zum Lunch immer in eine Tischtennis Bar, trinken etwas, essen zusammen und spielen Ping Pong.“

Sein typischer Tagesablauf sieht so aus: „Um kurz vor sieben fahre ich zur Arbeit, laufe vielleicht noch kurz Bill über den Weg und komme gegen halb sieben abends zurück. Dann gehe ich mit Bill zum Supermarkt und wir machen uns Gedanken über das Abendessen, da sind wir relativ spontan. Es ist schon Mal häufiger Burger oder Pizza als es gesund wäre, aber wir haben immer einen Salat als Side Dish.“ Und das ist doch die Hauptsache.

Bewirb dich hier!

Wenn man ihn nach einem besonderen Erlebnis aus seiner Zeit in den USA fragt, möchte er kein einzelnes Ereignis besonders hervorheben, denn „es ist die Gesamtheit aller Erfahrungen, die dieses Jahr besonders machen. Dazu gehört das Leben mit Victor und Bill, das Leben in einer Großstadt wie Chicago und, dass ich so viele wundervolle Menschen während des Jahres kennengelernt habe. Dazu gehören die PPP-Teilnehmer, aber auch meine Arbeitskollegen bei HDI.“ Und so kann er zukünftigen Bewerbern nur raten den Schritt zu wagen. „Ihr werdet überrascht sein, wie sehr euch ein Jahr verändern kann. Meine größte Sorge vor dem Jahr war, dass etwas schiefgeht. Ich hatte Angst vor schlechten Noten im College, dass ich dort keinen Anschluss finde und mit meiner Panik vor dem Job in den USA fange ich besser gar nicht erst an. Eines kann ich euch versichern: Es wird so einiges schiefgehen, aber daraus werden die schönsten Erinnerungen entstehen. Seid offen, freundlich und springt über euren eigenen Schatten. Gegen Heimweh hilft dir die PPP-Community, ihr sitzt alle in einem Boot. In den USA hast du zwei Familien. Deine Hosts und jeden, der jemals am PPP teilgenommen hat.“ Sein Geheimtipp zum Schluss:

COME AND VISIT CHICAGO!

 


Die Bewerbungsphase für das 36.PPP ist gestartet. Eure Bewerbungskarte könnt ihr entweder online ausfüllen oder per Post einsenden. Weitere Informationen findet ihr hier auf der Website unter http://usappp.de/die-ppp-bewerbung/ oder mit einem Klick auf die Freiheitsstatue.

Viel Erfolg bei eurer Bewerbung!

Wenn ihr für das Programm werben möchtet (z.B. mit Flyern oder Postern), schreibt uns gerne eine Mail an usappp@giz.de.

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