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Übers Brezelbacken In Der Pandemie: Ein PPP-ler Erzählt

Übers Brezelbacken in der Pandemie: Ein PPP-ler erzählt

Den US-Amerikanischen Teilnehmer Andrew Fallone brachte die Corona-Pandemie in eine besondere Lage. Aufgrund seiner Einstufung als Hochrisikopatient durch eine Vorerkrankung, konnte er nicht mit den anderen PPP-Stipendiat*innen zu seiner Familie in die USA zurückkehren. Wir haben ihn gebeten uns zu erzählen, wie er diese Situation erlebt hat.

Mein Name ist Andrew Fallone, und ich bin in Milwaukee, Wisconsin, aufgewachsen. Als Kind war mir nie bewusst, wie sehr ich vom deutschen Erbe Wisconsins profitierte, aber aufgrund der starken Verbindung meines Bundesstaates mit Deutschland konnte ich in der öffentlichen Schule Deutschunterricht nehmen. Ich zog nach Washington, D.C., um Internationale Beziehungen zu studieren, und da mir das Deutschlernen auf dem Gymnasium so viel Spaß gemacht hatte, beschloss ich auch während des Studiums Deutsch als zweites Hauptfach zu belegen. Obwohl ich Deutsch immer als ein Nebenprojekt betrachtet hatte, das ich in meiner Freizeit genossen habe, begann ich zu erkennen, wie viele Türen sich beruflich öffnen, wenn man eine andere Sprache fließend beherrscht. Während meines Studiums verbrachte ich mit meinem Deutsch einen Sommer in Freiburg und arbeitete dort mit dem Amt für Migration und Integration zusammen. Nach meiner Rückkehr in die USA benutzte ich weiterhin Deutsch, während ich mit der Botschaft des Fürstentums Liechtenstein in Washington, D.C. zusammenarbeitete.

Andrew Fallone beim Nürnberger Fasching

Ich bin 23 Jahre alt und habe mein PPP-Jahr in Nürnberg, in der Region Franken in Nordbayern, verbracht. Obwohl ich das Fortschreiten des COVID-19-Virus seit der ersten Nachricht Anfang 2020 verfolgt hatte, hatte ich ursprünglich nicht damit gerechnet, dass es sich auf mein eigenes Leben auswirken würde. Ende Januar war ich auf Reisen und traf einen Mann aus China, der mir erklärte, dass er in Europa unterwegs gewesen sei, als sich die Lage in China verschlechterte. Sein Arbeitsplatz wies ihn an, noch einen Monat in Europa zu bleiben, bevor er nach Hause zurückkehrte. Selbst damals kam es mir nicht in den Sinn, dass sich das Virus so weit ausbreiten würde. Ich bin Typ-1-Diabetiker, was bedeutet, dass ich immungeschwächt bin. Deutschland fühlte sich damals jedoch an wie eine Welt entfernt vom Virus, sodass ich nicht beunruhigt war, denn ich hatte nicht die Absicht zu reisen oder Flughäfen zu besuchen, wo das Infektionsrisiko viel höher war. Das alles änderte sich, als das Programm abgebrochen wurde. Da bei Typ-1-Diabetikern die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu sterben, dreimal so hoch ist wie bei anderen Menschen, hoffte ich, das Infektionsrisiko so weit wie möglich zu vermeiden, während sich die Pandemie sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten ausbreitete.

Bei desem Ausblick gewinnt Andrew Abstand vom Corona-Wahnsinn

Aufgrund meines Gesundheitszustandes war es mir nicht möglich mit der gesamten Gruppe zurückzufliegen. Das Risiko sich während der Reise anzustecken war einfach zu groß, weshalb ich in Deutschland bleiben musste. Mein Leben in Deutschland habe ich während der Pandemie fortgesetzt, wenn auch ganz anders als zuvor. Meine Arbeit bei der Agentur für Arbeit wechselte ins Home Office, und ich folgte allen Richtlinien der Regierung zur sozialen Distanzierung. In den vergangenen Monaten habe ich mir Zeit genommen, um es zu schätzen an einem bestimmten Ort zu sein. Ich habe mir die Zeit genommen, jeden Pfad zu erkunden, der in den Parks in meiner Nähe existiert. Ich wohne im östlichen Teil Nürnbergs und bin zum Glück nur 10 Minuten mit dem Fahrrad von riesigen Wäldern entfernt, in denen man stundenlang den Nachrichten über die Pandemie entgehen kann ohne einen anderen Menschen zu sehen. Während meines Lebens in der Quarantäne, durch die ich meine Freunde nicht sehen kann, nicht ins Büro gehe, um meine Kolleg*innen zu besuchen, oder nicht einmal in einer Bäckerei auf einen schnellen Happen vorbeikomme, habe ich auch neue Dinge gelernt, z.B. wie man Brezeln und Sauerteig-Donuts backt!

Die klare und umfassende Reaktion der deutschen Regierung auf die Krise gab mir ein sicheres Gefühl, selbst inmitten beispielloser Zeiten. Obwohl ich traurig bin, dass meine Zeit in Deutschland zu Ende geht, werde ich sicherlich wieder zurückkehren, sobald die Reisebeschränkungen nachlassen. Glücklicherweise erhielt ich ein Stipendium, um in den nächsten zwei Jahren einen Master of Transnational Governance am European University Institute in Florenz zu absolvieren, so dass ich nicht allzu weit weg sein werde.

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