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Perspektivenwechsel – Alumni In Der Auswahlkommission

Perspektivenwechsel – Alumni in der Auswahlkommission

Gerade wenn es um viel geht, können Auswahlgespräche eine nervenaufreibende Erfahrung sein. Wird man die Auswahlkommission wohl von sich überzeugen können? Julia Hufnagl kennt diese Zweifel, aber konnte als Jurorin die Erfahrung machen, dass die Interviewenden es gut meinen und die Bewerber*innen einfach so kennenlernen wollen, wie sie sind. Ihre Erfahrungen und Tipps für die Bewerber*innen des PPP hat sie im Folgenden für uns aufgeschrieben.

Ich heiße Julia Hufnagl und bin 25 Jahre alt. Momentan studiere ich Wirtschaftspädagogik mit den Zweitfächern Englisch und Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, um später an einer berufsbildenden Schule wirtschaftliche Fächer, Englisch und Deutsch für Nicht-Muttersprachler*innen zu unterrichten. Nebenbei arbeite ich an der Universität: Ich leite Tutorien für Studierende aus jüngeren Semestern und ich gebe Einzelnachhilfe in Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler*innen. Ich durfte am 31. Jahrgang des Programms teilnehmen und habe von August 2014 bis Juli 2015 in Mt. Vernon in Washington State (im Pacific Northwest) gelebt.

Die PPP-Truppe bei der Ausreise

Das Jahr in den USA war eine unglaublich bereichernde Erfahrung und hat mein Leben nachhaltig beeinflusst. Nach dem Programmjahr hat für mich eine neue Zeitrechnung begonnen, in der ich viel genauer wusste, wer ich bin und wohin ich will. Vor allem hat das PPP meine Persönlichkeitsentwicklung vorangetrieben. Es war eine komplett neue Erfahrung, sich in einer Umgebung zurechtfinden zu müssen, in der man Niemanden kennt und sich komplett unabhängig von den Einflüssen, denen man die ganze Kindheit und Jugend über ausgesetzt war, entfalten kann. Meine Gastfamilie hat mich dabei von Anfang an unterstützt, und sie hat dafür gesorgt, dass ich mich sofort in meiner neuen Umgebung wohlfühlte.

Ihr Gastvater und Julia mit deutscher Bratwurst und Kartoffelsalat. Die Schürze hatte er von ihren Eltern als Geschenk bekommen.

Insgesamt habe ich in dem Jahr sehr viele interessante Kontakte geknüpft, für die ich nach wie vor sehr dankbar bin. Die Selbstständigkeit und die interkulturellen Kompetenzen, die ich in meinem privaten und beruflichen Umfeld in den USA erworben habe, sind nach wie vor ein großer Vorteil für meinen beruflichen Werdegang. Ich habe einen Eindruck davon bekommen, inwiefern kulturelle Einflüsse auch im Arbeitsalltag sichtbar werden können und bin flexibler und anpassungsfähiger in meiner Arbeitsweise geworden. Außerdem konnte ich über den Tellerrand schauen, da ich als gelernte Bankkauffrau zum ersten Mal administrative Berufe außerhalb von einer Bank ausführte.

Ich musste damals in meinem Auswahlgespräch eine USA-Karte aufmalen und ich erinnere mich, dass ich sehr wenig Ahnung davon hatte, wo welche Bundesstaaten liegen. Danach habe ich mich darüber geärgert, dass ich mich nicht besser auf eine solche Frage vorbereitet hatte. Insgesamt war es aber ein angenehmes Gespräch und ich hatte das Gefühl, dass ich mich so präsentieren konnte, wie ich bin, obwohl ich natürlich auch aufgeregt war.

Jetzt, da ich „auf der anderen Seite“ in der Auswahlkommission sitze, erkenne ich mich häufig in den Bewerbenden wieder, und ich bin überrascht, wie gut man den Leuten anmerkt, ob sie in das Programm passen oder nicht. Ich kann gar nicht genau in Worte fassen, wie der perfekte Teilnehmer oder die perfekte Teilnehmerin für das Programm aussieht, aber wenn so jemand dann vor mir sitzt, wird manchmal ganz deutlich, dass es einfach passt. Häufig denke ich auch darüber nach, wie sich die Bewerbenden wohl in den USA entwickeln würden und wie die Erfahrungen in dem Land sie verändern würden. Nach den Gesprächen bin ich meistens beflügelt von der Initiative, dem Tatendrang und der Begeisterung, die die Bewerbenden zeigen. Und ich hoffe natürlich, dass sich die Abgeordneten, die das letzte Wort haben, für meine Favorit*innen entscheiden.

In meinem Gespräch hat mich damals ein Kommissionsmitglied immer sehr skeptisch beäugt, was mich eher verunsichert hat. Ich möchte erreichen, dass die Bewerbenden sich im Gespräch wohl fühlen und sich so zeigen können, wie sie sind. Da bringt es meiner Meinung nach nichts, Fangfragen zu stellen oder sie kritisch zu begutachten.

Vor allem habe ich durch meine Erfahrung als Kommissionsmitglied gelernt, dass es bei solchen Gesprächen immer um eine gute Passung von beiden Seiten geht. Manchmal tun wir Bewerbenden vielleicht sogar einen Gefallen, sie nicht zu nehmen, weil sie einfach noch nicht reif genug für ein Jahr USA sind. Ich habe gemerkt, dass die Interviewenden in Bewerbungsgesprächen die Interviewten einfach nur kennenlernen wollen und keine bösen Absichten haben.

Für das Bewerbungsgespräch möchte ich künftigen Teilnehmer*innen mitgeben, dass sie einfach so sein sollen, wie sie sind! 😊

Für das Programmjahr würde ich folgenden Tipp geben: Versuche, deine Stadt und deine Umgebung kennenzulernen. Du wirst merken, dass es dort sehr viel zu sehen gibt. Man muss nicht immer weit reisen, um schöne Orte zu entdecken, vor allem nicht in den USA. Ich wollte am Anfang am Liebsten viele Orte sehen, die man aus Film und Fernsehen kennt, aber habe dann immer mehr gemerkt, dass das Programm eben gerade ermöglicht, keine 0815-Reise durch die USA zu machen, sondern den Alltag an einem bestimmten Ort kennenzulernen. Das ist etwas ganz Besonderes und mehr wert als ein Foto vorm Hollywood-Schriftzug.

Weitere Informationen zum laufenden Auswahlprozess finden Sie auf der Website der Cultural Vistas gGmbH, unter www.usa-ppp.de.

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