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A Time To Remember – Offen Für Neues

A Time To Remember – Offen für Neues

Marius Putzke, Bauzeichner, 35. PPP

 Mit dem heutigen Artikel sind wir bereits am Ende unserer Serie angelangt. Acht tolle Erfahrungsberichte haben uns gezeigt, wie vielfältig die Teilnehmenden und das Programm sind. Für unseren vorerst letzten Bericht dieser Art, schauen wir nicht weit zurück. Passend zum 35. Jubiläum des Parlamentarischen Patenschafts-Programms lassen wir Marius Putzke, Teilnehmer des diesjährigen Jubiläumsjahrganges, persönlich zu Wort kommen und von seinen letzten 12 Monaten berichten.

Was man zu glauben wissen vermochte gilt nicht mehr. Man kann versuchen zu begreifen, doch mit jedem neuen Tag macht man neue, andere Erfahrungen, in dem Land auf der anderen Seite des Atlantiks. Werte wandeln sich und das, was ich in 12 Monaten finden sollte, war nichts mehr als mich selbst. Doch diese Erkenntnis sollte mich erst gegen Ende des Jahres überkommen.

In dem kleinen Dorf, im Schwarzwald, wovon meine Reise in das Unbekannte starten sollte, kann einem die Welt schon recht klein vorkommen. Eingebettet in den Alltag verlief mein Leben in gewohnten und einfachen Bahnen. Bücher eröffneten mir oftmals den ersten Blick, um über den Tellerrand hinaus zu sehen. Doch kann das geschriebene Wort bei weitem nicht mit erlebten Erfahrungen mithalten. Erfahrungen die ich mit und durch das 35. Parlamentarisches Patenschafts-Programm erleben durfte waren unbeschreiblich und müssen erlebt werden, um die Begeisterung und den Geist des Programmes wahrhaftig verstehen zu können.

Marius als Teacher Asisstent in einer Schule

Als ein gelernter Bauzeichner mochte ich mir am Anfang des Jahres nicht auszumahlen wissen, dass ich als Lehrkraft in einer Schule für Kinder mit besonderen Nöten arbeiten würde. Habe ich mich anfangs der Bewerbungsphase noch in verschiedenen Architekturbüros beworben, hat sich eine zufällige Begegnung bei meiner Freiwilligenarbeit zu einer zukünftigen Arbeitsstelle entwickelt. In meiner Freizeit habe ich des Öfteren die Organisation „Habitat for Humanity“ unterstützt, welche Häuser für einkommensschwache Familien baut. Als gelernter Bauzeichner war es also eine gute Möglichkeit meine Erfahrungen aus der Ausbildung einem guten Zweck zu widmen. Eines Tages tauchte eine Schulklasse auf der Baustelle auf, als ich gerade beschäftigt war Erdarbeiten zu vervollständigen. Schon nach den ersten Minuten stand ein aufgeweckter Schüler mit seiner Schaufel in der Hand neben mir. Ich arbeitete an diesem Tag Hand in Hand mit den Schülern, welche großes Interesse an Deutschland bekundeten. Einige Wochen nach dem Treffen mit den Schülern auf der Baustelle schrieb mich ihr Klassenlehrer an, mit der Anfrage, ob ich Präsentationen über Deutschland in ihrem Schulgebiet halten könnte. Keinen Augenblick gezögert waren Termine vereinbart und abgestimmt. Diese insgesamt drei Präsentationen in der Schule und die Kontakte, welche ich machen konnte haben letztendlich zu dem Tag des Bewerbungsgespräches als Lehrer Assistent geführt. Das Interview fokussierte sich an Lernmethoden und den richtigen Verhaltensstrategien bei Problemlösungen. Nach einer Überprüfung einer möglichen kriminellen Historie konnte ich die neue Position gleich antreten. Es erfüllte mich ein bisschen mit Stolz eine Vorbildposition einzunehmen und unsere zukünftige Generation in die richtigen Bahnen zu lenken. Diese Anstellung hatte zwar nicht unbedingt etwas mit meinem Ausbildungsberuf zu tun, jedoch beteuerte das Team des PPP mir gleich von Anfang an offen und bereit für alles zu sein, neues Wissen und Erfahrungen mit altem zu verbinden und selbstbewusst den nächsten Schritt zu gehen.

Jeder Tag der Arbeit glich dem Wechselspiel von Licht und Schatten. In der Brennpunktschule hatte man es mit Kindern zu tun, welche eine oftmals dramatische Vergangenheit durchlebt hatten oder aus schwierigen Elternhäusern stammten. Ein plötzlicher Tod von Eltern, Drogenmissbrauch oder Eltern im Gefängnis waren oftmals der Auslöser ihrer Verhaltensstörungen. Doch mit jedem neuen Tag bot sich die Gelegenheit ihnen so viel Freude und Motivation wie nur möglich zu geben. Ich lernte zuzuhören und Verständnis für jeden Einzelnen der Schüler zu entwickeln. Um mit der Schule auch nach meinem Jahr in Kontakt zu bleiben, haben wir vereinbart, dass ich über Videoanruf live Beiträge zum Thema Weltgeschichte liefern werde.

Die Arbeit mit Kindern war für Marius äußerst bereichernd

Ich glaube am Ende habe ich mehr von den Kindern gelernt als ich ihnen je beibringen hätte können.

Jetzt gegen Ende des Jahres blicke ich schon wieder auf Deutschland und meine Zukunft. Genauso, wie ich es mir nicht vorstellen konnte ein Jahr in Amerika zu verbringen, so gleichermaßen schwierig fällt es mir jetzt, wieder den Blick nach Deutschland zu wenden. Zurück in der Heimat habe ich erst einmal vor meine akademische Laufbahn weiter zu verfolgen und ein Studium zu beginnen. Durch meine Tätigkeit in den USA weiß ich, dass ich offen sein werde global zu denken und meine Erkenntnisse aus der Pädagogik mit in meiner weiteren Berufswahl berücksichtige. Ob ich am Ende als Architekt, Lehrer oder mit einer Kombination aus Beiden ende, weiß ich noch nicht.

Doch diese Offenheit ist doch gerade das was das Leben interessant macht und einem auch das PPP lehrt.

Von allen Erlebnissen, Reisen und Feiern hat mich diese Arbeitsstelle immer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen gebracht und wie einmalig unser Jahr hier in den Staaten doch ist. Das PPP hat mir ganz persönlich gezeigt, dass man Pläne von A bis Z haben kann, jedoch immer aufgeschlossen sein sollte wo ganz anders zu landen. Das ganze Leben ist voller Wege und Richtungen – durch das PPP weiß ich nun, dass das nächste einmalige Abenteuer nur einen weiteren Schritt entfernt liegt.

Das PPP hat mir ebenfalls gezeigt, dass Freundschaften keine Ländergrenzen kennen und jeder von uns helfen kann die Welt ein bisschen näher zusammenwachsen zu lassen. Diesen Zusammenhalt gerade zwischen verschiedenen Kulturen wurde mir besonders bewusst während meiner Zeit an der St. Cloud State Universität. Neben Amerikanischen Studenten studierten eine Vielzahl von internationalen Studenten an der Uni. Ich konnte viele Freundschaften rund um den Globus knüpfen. Ein besonderer Moment war, als ich zum Geburtstag Videobotschaften von meinen internationalen Freunden aus deren Heimat erhielt, weil diese nur ein Semester in den Staaten geblieben sind. Dieser Verbund aus Freundschaften hat Karina (auch mit dem PPP in St. Cloud) und mir geholfen die erste Deutsche Kulturnacht an der Uni zu veranstalten. Es ist nämlich schon Tradition, dass die internationalen Studenten als Botschafter ihres Landes aktiv werden und ihre Kultur jährlich präsentieren.

Das Team der German Cultural Night

Es gab eine Malaysische Nacht, Koreanische Nacht, wie auch eine Japanische Nacht. Nur eine Deutsche Kulturnacht gab es noch nicht, weil nur sehr wenige Studenten aus Deutschland kommen. Somit war es die Hilfe unserer Freunde und die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinaus, welches dieses Event möglich machten. Von Finanzierung über Speisen und Getränke bis zu Programmpunkten gab es einiges zu berücksichtigen. Mit über 200 Gästen inklusive der Präsidentin der Uni, dem Bürgermeister und verschiedenen anderen politischen Persönlichkeiten war es sehr gut besucht. Wir haben das Event wie eine Talkshow aufgebaut. Angefangen mit der Geschichte Deutschlands mit Fokus auf die Formung der deutschen Einheit und dem Jubiläum 30 Jahre Mauerfall ging es über zu Reden. Ein Höhepunkt des Abends waren die Videobotschaften von meinem Patenabgeordneten, Kai Whittaker, sowie von Alexander Gerst von der International Space Station. Spiele wie Hammerschlagen und Bierkrug stemmen forderten das Publikum auf, deutsche Kultur auf lustigem Wege, aktiv mitzuerleben. Tänze wie der Schuhplattler brachten Stimmung in die Halle. Als Speisen servierten wir Gulasch mit Spätzle, Frikadellen mit Kartoffelsalat und Apfelstrudel – Lecker wars!

Insgesamt habe ich durch das PPP viel gelernt. Loszulassen und gleichzeitig ein neues Ziel zu setzten erforderte einiges an Überwindungskraft. Mir scheint es nach diesem Jahr, dass je öfter man sich neu orientiert, ein neues Ziel vor Augen hat, desto schwieriger wird es auf einer Stelle zu bleiben und seinen gewohnten Alltag als ausreichend zu betrachten. Ich möchte sagen, dass obwohl ich am Anfang meines Jahres behauptet hätte die Welt zu kennen, sollte sich am Ende des Jahres herausstellen, dass diese Annahme nur ein Narr hätte machen können. Mir hat das PPP geholfen mit so vielen neuen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen in Kontakt zu kommen, um zu begreifen, dass die Welt so komplex ist, wie die Menschheit selbst.

Herzlich Wikommen zur German Cultural Night

Die Welt war für mich klein, jetzt ist sie riesig für mich.

Andere Kulturen haben so viel zu erzählen, dass es unmöglich fällt die Welt als Ganzes zu begreifen. Tief unter jeder Kultur liegen seine Wurzeln, welche nur langsam zum Vorschein kommen. Jedoch hat mir das Programm auch gezeigt, obwohl man nie alles begreifen kann, Unwissenheit nicht zu fürchten. Der weise Mann, die weise Frau weiß zwar nicht alles, ist jedoch offen und bereit für alles. Ich glaube viele gerade in unserer heutigen Welt fühlen eine Nutzlosigkeit in der immer zu größer werdenden Welt, jedoch sind es diese Art der Austauschprogramme die lehren, nicht zu fürchten, sondern zu erkunden. Also worauf wartest du noch?! Nur noch heute kannst du die Bewerbungsunterlagen unter 37.PPP Bewerbung  anfordern.


Die Bewerbungsphase für das 37. PPP hat begonnen! Bewerbungskarten könnt ihre entweder online ausfüllen oder per Post an uns einsenden.

Weitere Informationen findet ihr auf unserer Webseite unter https://usappp.de/die-ppp-bewerbung/

Viel Erfolg bei der Bewerbung!

Ihr findet das Programm toll und möchtet darauf aufmerksam machen?! Schreibt uns gerne eine Email an usappp@giz.de um Flyer und Poster zu erhalten. 


 

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