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Einfach Anders…

Einfach anders…

Der folgende Artikel besteht aus Auszügen des Abschlussberichts von Niklas Fischer, deutscher Teilnehmer des 36. PPP. Den ersten Teil seines Aufenthalts verbrachte er in Robinson, Illinois am Lincoln Trail Community College und zog dann für sein Praktikum nach Seattle, Washington.

 

Das Abenteuer beginnt…

… Mittlerweile ist es schon ein paar Monate her, als ich am 06. August von Frankfurt gemeinsam mit den anderen Teilnehmern des 36. PPP`s nach New York gereist bin. Wenn ich ehrlich bin kommt es mir so vor als wäre es gestern gewesen. Das erste Mal den U.S. Boden zu berühren und das auch noch in New York… und genauso sehen auch meine Erinnerungen aus. New York war eine unglaubliche Erfahrung und ein „mega“ Abenteuer. Für mich, meine Gewohnheiten und meinen Körper aber auch gleichzeitig eine Herausforderung. Zeitverschiebung, die Größe der Metropole, tausende neue Eindrücke, eine neue Sprache, neue Kultur und viele neue Menschen… all das wirkte auf mich ein. Die Mischung aus all dem fühlte sich jedoch unglaublich gut an. In New York hatten wir für 3 Tage ein festes Programm, welches von Cultural Vistas (ausführende Organisation des PPP auf U.S. Seite) geplant wurde. In unserem Seminarraum wurden wir täglich für ein paar Stunden über die wichtigsten Themen, was das Jahr und vor allem dem Start des Jahres betrifft, aufgeklärt. Ebenfalls erhielten wir dort unsere Unterlagen zur jeweiligen Weiterreise zum festen Ort der Platzierung. Nach dem festen Programm war selbstverständlich Sightseeing angesagt! Vom Empire State Building bis zur Freiheitsstatue habe ich mit den anderen Teilnehmern so gut wie alle wichtigen Sehenswürdigkeiten begutachten können. Währenddessen entstanden durchaus bereits die ein oder anderen Herausforderungen, wie zum Beispiel die Orientierung in der Stadt zu behalten, der Kauf der richtigen U-Bahn Tickets, die erste Essensbestellung, das Verstehen und Lesen von Schildern, Ampeln, Regeln und Sicherheitshinweisen und vieles mehr. Nach drei wunderschönen Tagen in New York ging es dann jedoch letztendlich weiter zum Platzierungsort. In Evansville, Indiana angekommen wartete dann schon der nette Busfahrer unseres Colleges, welcher mich abholte, da meine Familie auf Grund von Krankheit nicht in der Lage war mich einzusammeln. Anschließend fuhren wir zu meinem neuen zu Hause nach Robinson in Illinois.

Das Alltägliche Leben ist dort auf jeden Fall in vielen Bereichen etwas anders, als bei uns in Deutschland. Ob der Einkauf im Supermarkt, das College oder Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen… da gibt es so einiges, was einem direkt auffällt. Wenn mich jemand fragt, was ich sehr, sehr schön an den Einrichtungen, wie zum Beispiel dem College finde, dann würde ich definitiv folgendes antworten: die fortgeschrittene Digitalisierung und die Tatsache, dass es überall kostenlos Wasserspender gibt, und das in jeder Öffentlichen Einrichtung, egal ob am College oder im Einkaufszentrum.

Wenn mich jemand fragt, was ich sehr schade, oder auch ein bisschen nervig finde, dann würde ich folgendes Antworten: die Klimaanlagen in jeder Einrichtung sind für mich als Deutscher irritierend, da sie immer sehr kalt eingestellt sind und der Wechsel von sehr warm zu sehr kalt sehr gewöhnungsbedürftig ist. Das nicht oder nur sehr geringe Umweltbewusste denken finde ich sehr schade und das Essen ist mir oftmals etwas zu fettig.

 

Treffen mit dem Patenabgeordneten

Im November 2019 habe ich mich mit ein paar anderen Stipendiaten, welche im selben Bezirk in Illinois wohnten, mit dem US Kongressabgeordneten John Shimkus verabredet. Eine Stunde lang haben wir uns über aktuelle politische Themen unterhalten, konnten Fragen stellen und bekamen exklusive Einblicke in das Leben eines Kongressabgeordneten. Das war schon eine sehr besondere Situation. Eingeladen wurden wir von John Shimkus in sein Regionalbüro in Effingham in Illinois. Eine kleine Überraschung war es, als ich eine Woche nach dem Treffen mit John Shimkus einen Brief des U.S. Kongresses in dem Briefkasten meiner Gastfamilie vorfand. Ich öffnete den Brief und hielt plötzlich das beim Treffen gemachte Gruppenbild mit einem Autogramm und persönlichem Gruß in der Hand. Eine nette Geste von John Shimkus, die mir bis heute noch sehr viel bedeutet.

 

Mein Praktikum

Ende Dezember zog ich dann nach Seattle, Washington und begann dort nach Neujahr als “Leasing Agent” in einem Immobilienunternehmen zu arbeiten. Sehr schnell merkte ich, dass in den USA Gesetze im Business ganz anders sind, als in Deutschland. Auch das Verhalten der Mitarbeiter im Unternehmen untereinander, der technische Standard, die Arbeitsweise und viele weitere Dinge sind einfach anders. Nach Arbeitsbeginn baute ich schnell Kontakt zu all meinen Kollegen auf, mit denen ich mich auch prompt gut verstand. Direkt nach einer Woche merkte ich schon, dass ich mich dort sehr wohl fühlte und es wohl eine sehr schöne Arbeitszeit bis Ende Juni werden würde. Am Anfang arbeitete ich mich erst einmal in das System und in die Standards ein. Des Weiteren informierte ich mich über das U.S. Mietrecht und die allgemeinen Grundlagen, was das Business Immobilien in den USA betrifft, um genügend Hintergrundwissen im Kontakt mit Kunden und Geschäftspartnern zu haben. Ebenfalls musste ich mir in den ersten zwei Wochen schnell viele wirtschaftliche Fachbegriffe in der englischen Sprache aneignen, doch auch das war für mich kein Problem. Die Digitalisierung war deutlich fortgeschrittener als in den meisten deutschen Unternehmen, denn es wurde fast ausschließlich mit Handys, Tablets und PCs gearbeitet. Es wurde verhältnismäßig wenig Papier verwendet. Ich fühlte mich sehr wohl und fand somit sehr schnell großes Gefallen an meiner täglichen Tätigkeit.

 

Der abrupte Abschied

Als ich am Morgen des 12.03.20 aufwachte, es war ein Donnerstag, und auf mein Handy schaute, verging mir meine Vorfreude auf den Tag schnell. Nach dem lesen von zwei E-Mails, 150 Nachrichten in unserer WhatsApp Gruppe des PPPs und 2 SMS “verpasster Anruf” wurde mir ganz schlecht. Aufgrund des mittlerweile ausgebrochenen und immer schlimmer werdenden Corona Virus in der Welt wurde das Programm vorzeitig vom State Department und dem Bundestag offiziell abgebrochen. Es hieß in der E-Mail, dass wir so schnell wie möglich unsere Sachen packen, sowie alles kündigen und erledigen sollten, was eben zu tun war, bevor wir das Land verlassen. Nachdem meine Schockstarre sich legte, rief ich direkt erstmal meinen Kumpel in Minnesota an, welcher auch ein Teil des Programms war. Wir tauschten uns über die Situation aus und versuchten uns gegenseitig aufzubauen. Wir waren natürlich sehr schockiert und sehr traurig über diese Entscheidung, vor allem da wir überhaupt nicht damit gerechnet hatten. Letztendlich blieb mir und allen anderen Teilnehmer*innen jedoch nicht viel anderes übrig, als unsere Sachen zu packen und zu schauen, dass wir alles noch geregelt bekamen, bevor wir das Land verlassen mussten.

Als kleinen Abschied gab es dann noch ein gemeinsames Pizza Mittagessen in der Geschäftsstelle auf Kosten der Firma. Auch, wenn es der letzte Arbeitstag war versicherte ich meinen Kollegen, dass ich am nächsten Tag noch schnell vorbeikommen würde, um mich von allen zu verabschieden. Dann ging jedoch alles ganz schnell, denn die Uhr tickte. Ich packte meine Sachen, räumte mein Apartment aus, klärte die Situation mit all den Verträgen wie meinem Mietvertrag und den vielen Versicherungen. Trotz dieser unangenehmen Situation ließ ich mich nicht unterkriegen, “machte einfach mein Ding” und war dann endlich…leider… bereit für den Abflug. Es fühlte sich um ehrlich zu sein so ein bisschen an, wie ein unerwarteter Schlag ins Gesicht, denn man musste von 0 auf 100 einfach alles, was man sich aufgebaut hatte, hinter sich lassen. Persönliche, schöne Verabschiedungen, wie man sie sich vielleicht am Ende eines solchen Jahres vorgestellt hat gab es eben nicht. Dafür war keine Zeit gegeben. Alles in allem fühlte ich mich dort jedoch sehr, sehr wohl, genoss jede Sekunde in vollen Zügen und bin heute unglaublich stolz und glücklich, dort gelebt und diese ganzen Erfahrungen gesammelt zu haben.

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