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Auch Das PPP Ist In Der Delegation Des Bundespräsidenten Vertreten!

Auch das PPP ist in der Delegation des Bundespräsidenten vertreten!

Vom 30. Oktober bis 2. November reiste der Bundespräsident mit einer deutschen Delegation nach Boston, um dem 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls zu gedenken und offziell das Ende des deutsch-amerikanischen Freundschaftsjahres unter dem Motto “Wunderbar Together” einzuläuten. Dabei durften ihn auch zwei ehemalige Teilnehmer des PPP für junge Berufstätige begleiten. In diesem Artikel berichtet Marius Putzke von dieser außergewöhnlichen Erfahrung und was er auf dieser Reise erleben durfte.

Wir leben in politisch polarisierten Zeiten, in welchen das Amerika-Bild leider häufig nur auf die Exekutive im Weißen Haus beschränkt wird. Die Reise des Bundespräsidenten in die Vereinigten Staaten vom 30. Oktober bis zum 2. November 2019 hat jedoch eine andere Botschaft geweckt. Betont wurden nicht Probleme, sondern Chancen. Nicht der Konflikt stand im Mittelpunkt, stattdessen ging es um transatlantische Freundschaften, die beständiger und nachhaltiger sind als Zwistigkeiten.
Schon das vergangene Jahr hat mich der Bundestagsabgeordnete Kai Whittaker mit dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm in die USA geschickt, um den kulturellen und politischen Austausch zwischen Jugendlichen auf beiden Seiten des Atlantiks zu fördern. Durch verschiedene Projekte, darunter auch die Durchführung einer Deutschen Kulturnacht an der amerikanischen Universität, wo ich studierte, hat mir gezeigt, wie wertvoll gegenseitige Verständigung ist.  So hatte ich gerade wieder die Schulbank in Deutschland gedrückt, als eine Email der besonderen Art in meinem Postfach eintraf. Betreff:  „Begleitung des Bundespräsidenten nach Boston!“

PPPler Clara Kallich und Marius Putzke bei der Anmeldung zur Delegationsreise – beide sind schon sehr gespannt, was in den nächsten Tagen auf sie wartet!

Dies stellte eine große Ehre für mich dar. Die Delegation, bestehend aus Vertretungen aus Forschung, Kultur, Wirtschaft und Jugend, begab sich somit am 30. Oktober mit dem Flugzeug der Luftwaffe nach Boston. Bei dem Hinflug habe ich die erste Gelegenheit gehabt, mich mit dem Bundespräsidenten und Frau Büdenbender über meine Erfahrungen, die ich bisher in den Staaten gesammelt habe, auszutauschen. Sie erkundigten sich darüber, wie es gerade der Jugend in den USA ergeht und waren sehr interessiert an ihren Einstellungen gegenüber ihrem Land. Meinerseits verspüre ich in der Jugendkultur gerade ein Umdenken, was Verantwortung und Zukunftsvisionen angeht. Wir sehen es im Libanon und Venezuela, wo viele, gerade auch junge Menschen, auf die Straße gehen, um mehr Demokratie einzufordern. Wir sehen die Anti-Waffenproteste in den USA sowie Fridays for Future auf der ganzen Welt. Wir sehen jedoch auch, dass Populismus und Polarisierung vor Pausenhöfen und Universitäten keinen halt machen.  Deswegen wird es umso wichtiger für die Jugend nicht auf den Zug aufzuspringen, der von „Fake News“ und Meinungsmache geprägt ist.  Nur eine nachhaltige und sachliche Diskussion, welche auf Fakten basiert wird sich auch auf lange Sicht behaupten können. So gilt es weiterhin die Demokratie immer wieder zu verbessern, die Generationenfrage neu zu stellen, sowie alles für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft zu machen.

Marius im frühen Morgengrauen vor der Regierungsmaschine

Der Bundespräsident und Frau Büdenbender führten während des 8-stündigen Fluges mit jedem Delegationsmitglied so ein Gespräch, um möglichst viele Themenfelder abzudecken. Dabei waren auch immer sehr viele Berater zugegen, die die Informationen aus den Gesprächen sammelten und aufschrieben. Es ist anzunehmen, dass einiges aus den Gesprächen später auch in die Reden des Bundespräsidenten eingebaut wurden.
Angekommen in Boston folgte die Delegation in den nächsten zwei Tagen einem Programm, das bis auf die Minute geplant war. Jeder Teilnehmer bekam ein kleines Regiebuch mit Anweisungen der Fahrzeugbelegung, Termine, Uhrzeiten und Reiseinformationen. So galt es stets pünktlich bei der Fahrzeugkolonne zu sein, denn sobald der Bundespräsident mal sitzt, bewegt sich die Kolonne. Straßen wurden abgesperrt und ganze Highways freigehalten, um einen reibungsfreien Ablauf zu gewährleisten.

Der erste Termin fand im Hotel statt und war eine Diskussion zum Thema Streitkultur. Philosophen, Schriftsteller sowie politische Vertreter betonten dabei immer wieder, die Demokratie nicht als gegeben anzunehmen, sondern als etwas zu sehen, was gepflegt werden muss. Auch in der Weimarer Republik gab es einmal so etwas wie Demokratie, die jedoch durch mangelnden Einsatz der Bevölkerung in einer Diktatur endete. Deswegen darf nicht wenigen lauten Stimmen die Verantwortung überlassen werden. Wir sollten gerade jetzt die Demokratie nutzen, um Pluralität zu zeigen.
Nach dieser Diskussion fuhren wir zum Haus von Walter Gropius, wo der Bundespräsident das 100- jährige Bestehen des Bauhauses würdigte. Walter Gropius hatte dieses Haus 1938 errichtet, nachdem er mit seiner Familie vor der NS Diktatur aus Deutschland geflohen war. Es symbolisierte die neue Heimat, welche auch viele weitere Deutsche in den USA sahen.

Ein Mittagessen hautnah mit dem Bundespräsidenten und seiner Frau – was für eine Gelegenheit!

Zum Mittagessen fuhren wir in einen kleinen beschaulichen Ort, welcher die Anfänge der Unabhängigkeitskriege markierte. Hier wurde auch wieder eine große Ehre den PPPlern zuteil, da wir am Tisch des Bundespräsidenten sitzen durften. Endlich konnte ich all meine Fragen loswerden, die ich schon immer stellen wollte. Nach dem ausgiebigen Essen verbrachten wir noch einige Zeit an diesem Ort und würdigten die Anfänge des Unabhängigkeitskrieges, welcher für die Amerikaner von zentraler Bedeutung ist.

Am Abend beendete der Bundespräsident bei dem Besuch des Goethe Institutes und bei einer Orchesterkooperation zwischen den Boston und Leipziger Symphonikern offiziell das Deutschlandjahr.

PPPler vor dem Freundschafts-Konzert der beiden Symphonieorchester in Boston

Das Deutschlandjahr unter dem Motto „Wunderbar Together“ fand von Oktober 2018 bis Ende 2019 statt. Ziel war es, durch viele Veranstaltungen möglichst diverse Zielgruppen über die deutsche Kultur zu informieren. Doch zeigt gerade der Besuch, dass „Wunderbar Together“ kein Ende haben muss. Zwar wird es weniger Veranstaltungen geben, aber die Freundschaften bleiben. Der Bundespräsident bedankte sich in seinen Reden immer wieder bei Amerika für die Unterstützung und Zusammenarbeit in der Vergangenheit und erwähnte die wichtige Bedeutung dessen.
Am letzten Tag besuchte die Delegation die renommierte Harvard Universität, um auf die Forschungskooperationen aufmerksam zu machen, welche Länder auf der ganzen Welt vereint, um das Wissen um unsere Welt zu erweitern. Wir folgten einer spannenden Diskussion zum Thema der Ethik in der Digitalisierung. Vieles drehte sich dabei um die Einflussnahme datensammelnder Algorithmen im Alltag. Nach dem interessanten Besuch in Harvard hatte ich mit den drei anderen Jugendlichen in der Delegation zusammen mit Frau Büdenbender ein gemeinsames Treffen mit Vertretern von „Youth Lead the Change“. Diese Initiative „Youth Lead the Change“ (YLC) überträgt jungen Erwachsenen die Verantwortung über eine Million USD des kommunalen Haushalts, um ihnen ein Mitspracherecht bei der Allokation von öffentlichen Geldern zu geben. Dieser Austausch war außerordentlich produktiv und hat uns inspiriert solch ein Pilotprojekt vielleicht auch in einer deutschen Stadt umzusetzen.
Für mich als einfacher Junge aus dem Murgtal war das eine unbeschreibliche Erfahrung daran teilhaben zu dürfen und auch mal hinter die Kulissen eines solchen Besuches zu blicken. Mit der Wagenkolonne mit Blaulicht durch Boston, eins zu eins mit dem Bundespräsidenten sowie die Möglichkeit mit führenden Persönlichkeiten aus Forschung, Wirtschaft und Politik zu sprechen.

30 Jahre nach dem Mauerfall hat diese Reise gezeigt und gewürdigt, dass wir nur vereint voranschreiten können und dass uns keine Wand aus politischen Gründen teilen kann.  Sie hat verdeutlicht, dass persönliche Freundschaften wichtiger und nachhaltiger sind als politische Konflikte und betont, dass jeder Einzelne einen Beitrag leisten kann. Wir sind „Wunderbar Together“.

gez. Marius Putzke, 35. PPP, gelernter Bauzeichner z.Z. Schüler

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