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Anni’s Amazing Adventure

Anni’s Amazing Adventure

Almost Heaven, West Virginia – das beschreibt ziemlich genau mein Lebensgefühl der vergangenen sieben Monate. Ich, das ist Annika Leichtle, eine 23-jährige Finanzwirtin die in dem Country-State ein neues Zuhause gefunden hat. West Virigina, das ist nicht weniger aufregend als die Schwäbische Alb von der ich komme. Durch die grünen Bergketten ähnelt es den zahlreichen Hügeln daheim und daher war das heimatliche Gefühl trotz der Ferne nicht weit.

Teilnehmer*innen des 36. PPP beim Vorbereitungsseminar, bei der Abreise und in New York

Die Zeit von der Bekanntgabe im Februar bis zur Abreise im August verging wie im Flug. Durch das Vorbereitungsseminar in Lichtenfels, bei welchem ich einen Teil der anderen Teilnehmer kennenlernen durfte, kam der ersehnte Traum und die Vorfreude immer näher.

Natürlich hatte ich ein bisschen Zweifel und Ängste. Wird wohl alles klappen? Werde ich mich mit meiner Gastmama verstehen? Reicht mein Englisch aus, um mich mit den Leuten unterhalten zu können? Aber wie man im Schwäbischen so schön sagt: dia Zweifl warat älle omasoschd! Die erste Begegnung mit meiner Gastmutter Charlotte hätte nicht besser sein können. Von der ersten Minute an quatschten und lachten wir viel miteinander. Gemeinsam mit ihrer Hündin Maui und den drei Katzen wohnten wir ganz idyllisch in einem 200-Einwohner-Dorf. Wir teilten die gleichen Interessen: gemeinsam kochen, wandern und reisen. Schwierigkeiten oder Missverständnisse gab es nie. Das einzige was ich lernen musste, war um den heißen Brei zu reden, weil das machen die Amerikaner doch sehr gerne. Total schnell kannte mich jeder im Dorf und an der Uni. Es war einfach immer schön zu sehen wie aufgeschlossen und interessiert die Amerikaner an mir und der deutschen Kultur waren.

An der Uni durfte ich mich und meine Fähigkeiten ganz neu entdecken. Special Education, Piano und Art standen auf dem Stundenplan. Die Schulzeit von August bis Dezember war super schnell vorbei. Einer der absoluten Highlights war das Homecoming-Event. Jeweils zwei Clubs der Schule schlossen sich zusammen und gemeinsam mussten sie zum Motto Musical einige Aufgaben meistern. Wir hatten uns für Aladdin entschieden. Angefangen mit einer Parade, Spenden sammeln und Lippsing (einer Form von Tanz) mussten wir uns ganz schön anstrengen, um mit den anderen Clubs mithalten zu können. In der Halbzeitpause des großen Footballspiels wurde dann mit voller Spannung die Siegerehrung erwartet, bei der wir den ersten Platz belegten. Wir wollten es gar nicht wahrhaben! Alles in einem war es einfach ein unglaubliches Ereignis.

Unter der Woche konnte man mich nach der Uni auf einem Pferdehof bei der Freiwilligenarbeit antreffen und mittwochs leitete ich an einer Grundschule eine Rope-Skipping-Gruppe. Es war total schön zu sehen, wie die Kinder sich freuten, eine neue Sportart kennen und lieben zu lernen.

Durch die ganzen Unternehmungen und Angebote der Universität hatte ich gleich einen tollen Freundeskreis und einen vollen Terminkalender. Jedes Wochenende wurde voll ausgenutzt. Zuhause nur herumzusitzen, das gab es nicht. Gemeinsam mit meinen Freunden oder mit anderen PPPlern konnte man mich vor allem an der Ostküste lachen hören. Es ging nach Florida, Nashville, Memphis, New York, Texas, zu den Niagara Wasserfällen und ein ganz besonderes Highlight war der Trip nach Hawaii.

Annika mit ihrer Gastmutter und ihrem geliebten West Virginia

Nach dem schönen Urlaub, Weihnachten und Neujahr kam dann wieder der Ernst des Lebens. Da West Virginia einer der ärmsten Bundestaaten ist, stellte sich die Jobsuche anfangs doch schwieriger heraus als gedacht. Schließlich fand ich dann einen Job bei einer Rettungseinheit. Ich durfte sie bei der Buchführung, beim Neubau sowie beim Bestücken der Rettungswägen unterstützen. Ich hatte wirklich tolle Kollegen mit dem Herz am rechten Fleck. Als ich die unangenehme Nachricht erhielt, dass wir auf Grund von Corona früher als gedacht heim mussten, war ich gerade auf der Arbeit. Ich begann nur noch zu weinen. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen konnten ihre Tränen auch nicht mehr zurückhalten. Man merkte einfach, dass wir eine große Familie waren.

Jeder Moment war auf seine Art und Weise besonders. Klar gab es ein paar ganz besondere Erlebnisse. Wie zum Beispiel als wir für Obdachlose das typische Thanksgiving-Dinner kochten. Es war einfach wunderschön zu sehen, wie man mit einer einfachen Mahlzeit so vielen Menschen ein Strahlen ins Gesicht zaubern konnte. Außerdem durfte ich im State Capitol in West Virginia ein einwöchiges Praktikum absolvieren, bei welchem ich unheimlich viel lernen konnte und neue Freundschaften schließen durfte. Ganz besonders war auch unser Seminar, welches ich in Washington D.C. eine Woche vor Abreise mit all den anderen Teilnehmern des Programms hatte. Durch die Teilnahme an diesem Programm möchte ich mich nun auch mehr politisch engagieren. Dies war der perfekte Abschluss von unserem verkürztem Auslandsjahr.

Am Ende war ich aber doch sehr traurig, denn schließlich gab es noch einige Punkte auf meiner To-Do-Liste. Aber wie sagt man so gern: „man sollte aufhören, wenn es am Schönsten ist!“. Diesen Satz musste ich mir oft vorsagen. Nicht selten dachte ich: „was für ein bescheuerter Satz, wenn ich dabei meinen Terminkalender anschaue und weiß, dass diese geplanten Erlebnisse sich nun alle in Luft auflösen.“ Aber ich kann mich doch glücklich schätzen, dass ich von der ersten Minute bis zur letzten die Zeit in Amerika in vollen Zügen genossen habe.

Manchmal fühlte ich mich wie in einem Traum, aber es war dann wunderschön zu realisieren, dass es kein Traum war, sondern die Wirklichkeit. Wenn ich an die unzähligen tollen Momente zurückdenke, zaubern mir die zahlreichen Erinnerungen ein Lächeln auf die Lippen. Ich bin so unendlich froh mich auf dieses Programm beworben zu haben, denn solch eine Möglichkeit bekommt man gewiss kein zweites Mal. Für mich war es kein “Goodbye”, sondern ein “See you later!”. Ich freue mich schon sehr darauf, wenn ich meine Gastmama sowie Freunde, Kollegen und Nachbarn schon bald wieder in meine Arme schließen darf.

Für alle die Interesse haben sich an diesem Programm zu bewerben: macht es! Wenn ich dieses Programm in einem Wort beschreiben müsste, trifft WOW am besten zu.

Für mich geht es nun wieder zurück nach Stuttgart zum Finanzamt und hoffentlich schon bald wieder in mein geliebtes West Virginia.

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