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Julian In Seiner Zweiten Heimat: Madison, Wisconsin

Momente – Geschichten – Erinnerungen (Teil 8)

Abenteuer PPP

Teilnehmerbericht von Julian Neumark, Schreiner aus Hessen

Julian Neumark war mit dem 32. PPP in den USA und kann immer noch nicht recht fassen, wie gut alles gelaufen ist. Von der Platzierung über Hochschule, Ehrenamt und Praktikum bis hin zu den bleibenden Einflüssen nach seiner Rückkehr war der Aufenthalt für ihn eine durchweg positive Erfahrung.

Als er über seine Platzierung informiert wurde, war er gerade auf der Arbeit: „Ich weiß noch genau, dass ich in der Nähe von Miltenberg Dachflächenfenster ausgetauscht habe, als die Mail ankam. Ich hatte schon vorher keine spezifischen Erwartungen an einen bestimmten Platzierungsort. Ich habe nur darauf gehofft bei einer netten, nicht allzu konservativen Gastfamilie untergebracht zu werden. Als dann die Mail mit Madison, Wisconsin bei mir ankam, habe ich erstmal Google gefragt wo genau das liegt, weil ich vorher noch nie im Midwest war“, erinnert sich der gelernte Schreiner. „Es klang nach einer perfekten kleinen Stadt mit einer guten aktiven Musikszene, was für mich schon wichtig war. Ich habe dann relativ zügig mit meiner Gastfamilie Kontakt aufgenommen. Alles klang super und am Ende hätte ich es nicht besser treffen können.“

Julians Praktikum am Madison Area Technical College. Die Kollegen sind freundlich und offen, alle haben viel Spaß bei der Arbeit.

Auch das Madison Area Technical College, an dem Julian studiert hat, entsprach genau seinen Vorstellungen. Es hat ihm sogar so gut gefallen, dass er nach der Hochschulphase weiter dort gearbeitet hat. „Mein Praktikum habe ich als Instructional Support Technician für die Abteilung des Colleges absolviert, bei der ich auch meine Kurse belegt hatte. Hauptsächlich habe ich die Werkstatt in Schuss gehalten und deren Umzug betreut, den Lehrern unter die Arme gegriffen und den Schülern geholfen, insofern sie Fragen hatten“, berichtet der PPP-Alumnus. Neben dem Praktikum hat er auch als Volunteer vielseitige Aufgaben übernommen: „Ich habe meine gemeinnützige Arbeit für den Lions Club in Marshall geleistet, habe bei deren Feier mitgearbeitet, eine Schneebar für das Winterfest gebaut und bei diversen Arbeitsaktionen ausgeholfen.“ Dabei haben besonders die Menschen, mit denen er zusammenarbeiten durfte, einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen und ein neues Verständnis von Arbeit in ihm geweckt: „Es war täglich ein wunderbares Gefühl, mit unfassbar offenen und freundlichen Menschen in Kontakt zu sein. Jeder einzelne Tag hatte irgendwelche positiven Kleinigkeiten parat und die Zeit ist verflogen. Ich habe Arbeit vorher noch nicht in dieser Art und Weise erlebt.“

Ehrenamtlich hilft Julian im Lions Club Marshall. Er ist immer wieder überrascht, wie viele positive Kleinigkeiten die Zeit nur so verfliegen lassen.

Fragt man Julian, welche Unterschiede ihm im Leben und Arbeitsalltag zwischen Deutschland und den USA aufgefallen sind, fallen ihm nur Gemeinsamkeiten ein: „Ich habe diese Frage schon diverse Male beantworten sollen. Jedes Mal denke ich lange darüber nach und jedes Mal habe ich keine Antwort darauf beziehungsweise keine Unterschiede festgestellt. Es wird hier und dort hart gearbeitet, was vielleicht auch einfach an meinem Beruf liegt, aber auch viel Spaß an der Arbeit gepredigt, was auch realisiert wird. Jeweils ist es eine gute Balance.“ Natürlich gab es zwischendurch auch mal schwierige Situationen, von denen der junge Hesse sich aber nicht zu sehr hat beeindrucken lassen: „Es gab ein paar kleine emotionale Momente, aber die gehören dazu. Die bewältigt man, wie man es sonst auch macht. Darüber nachdenken, ausloten, Lösung finden und weitermachen. Kommt schon alles irgendwie zu einem guten Ende.“ Damit hat er recht behalten und ist heute sehr froh über seine Entscheidung, am PPP teilgenommen zu haben: „Ich wollte noch einmal etwas verrücktes machen, bevor ich dafür keine Zeit mehr habe. Ich war an einem Punkt, wo das einfach gut möglich war und bin sehr zufrieden, dass ich das alles nach anfänglichen Zweifeln durchgezogen habe.“ Viele Aspekte seines Jahres in den USA werden auch in Zukunft ein Teil von ihm bleiben: „Ich habe jetzt eine zweite Familie gefunden, die mich mein Leben lang begleiten wird. Ich habe Freunde gefunden und Freunde verloren. Ich habe neue Erfahrungen gesammelt, die mich mein Leben lang bereichern werden. Ich bin vermutlich als Mensch wieder ein Stück gewachsen.“ Auch für seine berufliche Entwicklung konnte Julian wichtige neue Kenntnisse mitnehmen: „Meine Sprachkenntnisse haben sich natürlich weiter verbessert und beruflich konnte ich viel dazu lernen. Das Jahr hat mich auch dazu gebracht, etwas konkreter über meine persönliche Zukunft nachzudenken und mich in dieser Planung deutlich weitergebracht. Durch mein Studium und meine Arbeit in den USA habe ich jetzt eine gute Vorstellung wie ich meinen Beruf in meine Zukunft integrieren kann und hoffentlich etwas finde, was mich zufriedenstellen wird.“

Für alle zukünftigen PPPler hat Julian noch ein paar Tipps auf Lager: „Man sollte sich auf jeden Fall auf so viel wie möglich einlassen. Fremde Dinge ausprobieren. Im Zweifelsfall immer Ja sagen und dann schauen, wie es weitergeht. Mit Menschen reden, auch wenn man keine persönliche Bereicherung darin sieht. Jeder hat eine spannende Geschichte, die es zu erfahren gilt. Ausflüge unternehmen, das Jahr so gut es geht ausreizen. Nicht zu sehr an Zuhause festklammern, die Zeit geht doch schneller rum als man denkt und schon sitzt man wieder an gewohnter Stelle.“ Mit seinem sehr realistischen Blick auf das Auslandsjahr schafft er es, auch schwierigen Situationen etwas Positives abzugewinnen: „Es werden vielleicht ein paar Freunde und Bekannte auf der Strecke bleiben, aber so kristallisieren sich auch die heraus, die es wert sind einen länger zu begleiten. Letztendlich wird das wohl eine der prägendsten Erfahrungen sein, die man machen kann. Es kann auch nicht so gut laufen, aber man nimmt aus allen Situationen irgendetwas mit.“

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