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„PPP-Stories: Eindrücke aus 35 Jahren“- Teil 3: Ein Interview mit Ute Gabriel

 

Ute Gabriel ist seit 18 Jahren Teil des PPP-Teams. Im Interview erzählt sie von besonderen Momenten aus ihrer Zeit im Programm und stellt heraus, welche Eigenschaften Interessenten mitbringen sollten.

Zu Anfang die Frage, Frau Gabriel: Was ist Ihre Funktion innerhalb des PPP-Teams in der GIZ?

Meine Funktion innerhalb des PPP-Teams ist seit 18 Jahren, die der stellvertretenden Projektleiterin. Das heißt, dass ich sowohl für die jungen Deutschen, die ins Ausland gehen zuständig bin, als auch für die amerikanischen Teilnehmer, die für ein Jahr nach Deutschland kommen und hier leben.

Und wie sind Sie beim PPP gelandet?

Ja das ist spannend (lacht). Ich hatte eine Familienphase von 12 Jahren, hielt aber immer den Kontakt zu meinem alten Arbeitgeber und begleitete freiberuflich als Tutorin Gruppen. Unter anderem auch amerikanische Journalisten. Deshalb war ich öfters quer durch Deutschland unterwegs und bekam viel von der amerikanischen Sichtweise auf mein eigenes Land mit. Ich dachte „Amerikaner sind interessante Leute“. Ich hatte sonst ja so gar keinen Bezug zu den USA. Auf der anderen Seite hatte ich vorher sehr viel im internationalen Austausch in der Erwachsenenbildung gearbeitet und dann bot es sich irgendwie an.

Hatten Sie denn vorher schon einmal etwas vom PPP gehört, oder war es eher Zufall, dass Sie davon mitbekommen haben?

Da ich ja schon länger in diesem Unternehmen (GIZ und Vorgängerorganisationen) in der Amerikaabteilung gearbeitet hatte, wusste ich natürlich, dass es das Parlamentarische Patenschafts-Programm gibt. Ich hatte mich jedoch nicht darin vertieft. Mir war auch nicht bewusst, dass das Schülerprogramm von anderen Austauschorganisationen gestaltet wird und die GIZ die jungen Berufstätigen begleitet und betreut. Das hat sich mir erst nach näherer Recherche erschlossen. Und gerade das hat dann sehr gut mit meinen Vorkenntnissen übereingestimmt.

Wie sieht es denn mit dem Arbeitsalltag aus, wird es da nicht langweilig nach den Jahren? Denn der bürokratische Ablauf wiederholt sich ja bestimmt…

Klar gibt es eine gewisse Struktur, die zu dem Programm dazu gehört. Aber oft kommt es vor, dass ich mir morgens einen Plan für den Tag zurechtlege, dann einen Anruf bekomme und schon ist der Ablauf durcheinander. Dann heißt es sich zuerst um den konkreten Fall zu kümmern, sei es eine Gastfamilie oder der Bundestag, der ein dringendes Anliegen hat; oft muss ich sofort reagieren. Außerdem bin ich oft unterwegs, nehme an Sitzungen oder Seminaren teil.

Für mich war es immer spannend und das bis heute.

Was sind denn Ihrer Meinung nach Faktoren, die dazu beitragen, dass das Programm nach wie vor gefördert wird und eben schon so lange besteht?

Ute Gabriel (rechts) bei dem Vorbereitungsseminar der deutschen Teilnehmer des 35. PPPs in Lichtenfels

Die bilateralen Beziehungen mit den Vereinigten Staaten nehmen nach wie vor einen hohen Stellenwert ein, auch wenn es momentan ein bisschen knirscht. Meine Erfahrungen haben aber gezeigt: Auch wenn es diplomatische Anspannungen gibt, ist es beiden Regierungen wichtig ihre gegenseitige Wertschätzung für einander durch die Förderung des Austauschs zwischen jungen Menschen zum Ausdruck zu bringen. Deshalb haben die Parlamente beider Länder nach wie vor ein Interesse daran, das Programm aufrecht zu erhalten. Auf der einen Seite ist also die politische Unterstützung wichtig, auf der Anderen aber auch die gesellschaftliche, durch die vielen jungen Leute, die aus ihrem Auslandsjahr in den USA zurückkommen und berichten. Da entfacht sich sozusagen eine Kettenreaktion, die Hunderte erreichen kann. Man ist Teil dieser PPP-Familie und das bleibt man auch. Die meisten sind dem Programm über ihr Jahr im Ausland hinaus verbunden geblieben und mittlerweile hat sich schon eine ziemlich große Community gebildet.

Theo Fuß hat uns im letzten Interview ja auch von der Save-PPP Kampagne erzählt, wie haben Sie denn diese Zeit erlebt?

Ich war zuerst einmal beeindruckt, wie die neuen Medien, z.B. Twitter oder Facebook, dafür genutzt wurden diese Kampagne so zu strukturieren. Einfach zu sehen, wie sich 20.000 Leute dahinter gestellt und dafür eingesetzt haben, dass das Programm weiter mit den notwendigen Mitteln finanziert wird. Das war für mich ein weiterer Hinweis dafür, dass der Alumni-Verein, also die Ehemaligen, ein Netzwerk ist, welches das PP-Programm trägt.

Haben Sie denn vielleicht eine Persönlichkeit im Kopf, die aufgrund ihres Werdegangs besonders in Erinnerung geblieben ist?

Beim Einreiseseminar der amerikanischen Teilnehmer im letzten Jahr.

Da gibt es so Einige. Spontan fällt mir jemand aus dem dritten PPP-Jahrgang ein, der damals als Pionier des Programmes 1985 in die USA gegangen ist und dort seinen Weg gefunden hat. Als er zurückkam fing er an sich ehrenamtlich zu engagieren, hat sich ein Unternehmen aufgebaut und ist heute noch jedes Jahr bei unseren Auswahltagungen mit dabei, oder auch als Berater tätig, der uns mit seinen Kontakten viel weiterhilft. Also ein Freund und Förderer des PPPs.
Ein weiteres Beispiel ist ein junger Mechatroniker, der glaube ich vor 10 Jahren dabei war und nach Kansas gegangen ist. Zum Zeitpunkt seiner Ausreise sprach er nur wenig Englisch und traute sich deshalb auch vielleicht eher wenig zu. Vor allem die College-Phase bereitete ihm im Vorhinein Magenschmerzen, da er dachte er würde bestimmt Verständnisschwierigkeiten haben. Dem war jedoch nicht so, ganz im Gegenteil. Er wurde sogar in die sogenannte „Hall of Fame“ aufgenommen. Eine Ehre, die nur denjenigen zu Teil wird, die herausragende Leistungen erbringen. Dann hat er einen Job bei einem Klimaanlagenbauer angenommen und wie es in den USA eben üblich ist, ein „training on the job“ bekommen. Durch seine Ausbildung hatte er natürlich schon ein weitreichendes Verständnis von Technik, sodass der Chef ihn dann auch zum Vorarbeiter gemacht hat. Er durfte dann zum Beispiel immer wenn Kunden kamen die Maschine vorführen, was sein Selbstbewusstsein natürlich immens gestärkt hat. Als er zurückkam, fing er dann ein Studium in Betriebswissenschaften an.

Die Teilnehmer werden also aus ihrer Comfort Zone herausgeholt und können sich so persönlich weiterentwickeln…

Man muss sich einfach trauen. Die „Deutsche-Brille“ ablegen und die Amerikanische aufsetzen oder vielleicht auch gar keine… einfach Dinge auf sich zukommen lassen.

Was sind denn grundsätzliche Eigenschaften, die Interessenten für das PPP mitbringen sollten?

Ganz wichtig finde ich Neugier. Wenn jemand bei den Auswahltagen vor mir sitzt und ich frage: „Warum wollen Sie denn in die USA gehen?“, achte ich immer darauf, inwiefern sich die Bewerber für das Land begeistern können und etwas Neues erleben wollen.

Raus aus meinem kleinen Garten und vielleicht mal über den Zaun schauen in das andere Land.

Außerdem sollte ein Teilnehmer belastbar sein. Es ist natürlich nicht immer einfach und es wird oft Situationen geben, die verunsichern. Deshalb ist Stabilität gefragt, für die auch der Rückhalt aus der Familie und dem Freundeskreis eine große Rolle spielt. Englisch-Kenntnisse sind ehrlich gesagt gar nicht das ausschlaggebende Kriterium. Natürlich sollten sich Teilnehmer verständigen können, aber Perfektion ist nicht gefragt.
Ich finde auch den Willen Deutschland im Ausland repräsentieren zu wollen nicht unerheblich. Klar spielen bei dem Vorhaben am Programm teilnehmen zu wollen viele egoistische Gründe eine Rolle, doch sollte ein Interessent sein Leben in diesem Land reflektieren können und sich darüber Gedanken machen, wie er sein Heimatland im Ausland darstellen möchte.
Zuletzt: Humor. Alles nicht so ernst nehmen, dann fällt vieles leichter.

Bewirb dich hier!

Meine letzte Frage: Warum sollten sich Interessenten für das 36. PPP jetzt bewerben?

Das PPP ist eine einmalige Chance für jeden jungen Berufstätigen, der nach der Ausbildung mit dem Gedanken spielt für eine Zeit ins Ausland zu gehen. Währenddessen nehmen die Teilnehmer so viel mit und wachsen an den Herausforderungen, die sich Ihnen auftun, sodass nach der Rückkehr nach Deutschland Alles möglich erscheint. Auch entstehen neue Freundschaften, beispielsweise mit der Gastfamilie, die noch lange nach dem Programm anhalten und die Verbindung zu den USA aufrecht erhält. Ich komme tatsächlich gerade von einer Hochzeit, bei der die Gastfamilie eines deutschen Teilnehmers von vor 12 Jahren dabei war. Nur dadurch, dass man sich selbst einen Eindruck von einem Land macht und längere Zeit dort verbringt, kann man sich eine ausgeprägte Meinung bilden, vielleicht sogar sein eigenes Land aus einer neuen Perspektive betrachten.


Die Bewerbungsphase für das 36.PPP ist gestartet. Eure Bewerbungskarte könnt ihr entweder online ausfüllen oder per Post einsenden. Weitere Informationen findet ihr hier auf der Website unter http://usappp.de/die-ppp-bewerbung/ oder mit einem Klick auf die Freiheitsstatue.

Viel Erfolg bei eurer Bewerbung!

Wenn ihr für das Programm werben möchtet (z.B. mit Flyern oder Postern), schreibt uns gerne eine Mail an usappp@giz.de.

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