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„PPP-Stories: Eindrücke Aus 35 Jahren“- Teil 7: Ein Interview Mit Sebastian Mörchen

„PPP-Stories: Eindrücke aus 35 Jahren“- Teil 7: Ein Interview mit Sebastian Mörchen

 

Seit Jahren engagiert sich der ehemalige PPP-Teilnehmer Sebastian Mörchen als Teamer bei den Vor- und Nachbereitungsseminaren für das Programm und lässt dabei immer wieder seine eigenen USA-Erfahrungen Revue passieren…

Erzähl uns doch am Anfang erstmal etwas über dich – wie heißt du? Was machst du beruflich? Und was ist deine Funktion innerhalb des PPP-Netzwerks?

Mein Name ist Sebastian Mörchen und ich bin mittlerweile 33 Jahre alt. Ursprünglich habe ich Werkzeugmacher gelernt und dann Maschinenbau studiert. Die letzten 5 Jahre habe ich als Projektleiter in der Automobilindustrie in der Schweiz gearbeitet und bin seit kurzem zurück in Deutschland, wo ich nun als Programmmanager bei einem chinesischen Automobilzulieferer tätig bin. Ansonsten bin ich verheiratet, habe 2 Kinder, einmal zweieinhalb Jahre und einmal sechs Wochen alt.

Herzlichen Glückwunsch dazu!

Danke, danke!

In welchem PPP-Jahrgang hast du eigentlich teilgenommen?

Ich habe am 23. PPP teilgenommen. Das war der Jahrgang 2006/2007, als George W. Bush noch Präsident war.

Und wie bist du damals auf das PPP gestoßen?

Bewirb dich hier!

Das war wirklich ein Zufall. Ein Plakat mit der Freiheitsstatue, das ich bei irgendeinem Amt gesehen habe, hat erstmals mein Interesse geweckt. So habe ich mich mehr darüber informiert und mich schließlich beworben.

Hat dich das Plakat so angesprochen oder hattest du schon vorher den Wunsch gehabt, in die USA zu gehen?

Schon zu dem Zeitpunkt wurde die USA sehr positiv wahrgenommen, ein Ort wo man gerne Urlaub machen würde und man Filme darüber kennt. Als ich mich dann genauer informiert und erfahren habe, dass es im Programm um Praktikum, College und Gastfamilie geht, hat es eine extreme Neugierde geweckt. Man fängt dann an zu träumen, bewirbt sich und fiebert wirklich mit. Ich war am Ende einer der Glücklichen, bei dem es geklappt hat!

Wie hast du dir die USA damals noch in der frühen Bewerbungsphase vorgestellt und was hast du dir von dem Jahr erträumt?

Das ist eine schwierige Frage, weil es so komplex ist und auch schon etwas länger her ist.

Meine Vorstellung war, wahrscheinlich wie bei vielen anderen auch, von Eindrücken aus den Filmen geprägt: große Städte aber auch ein einsames, weites Land. Wie die Menschen sind, konnte ich mir jedoch nicht so richtig vorstellen.

Sebastian mit seiner Gastmutter und Gastschwester

Du hattest vorher also keinen Kontakt zu Amerikanern gehabt oder mal Urlaub dort gemacht?

Nein, weder beruflich noch im Urlaub. Ich war mal mit einer Jugendreisegruppe in Kanada für zwei Wochen, aber durch eine Reise lernt man ein Land ganz anders kennen. Da ist ein Programmjahr absolut eine andere Erfahrung, weil man das komplette amerikanische Leben mitmacht und man es auch wirklich fühlt, wenn man mittendrin ist – das ist schon ein riesen Unterschied.

Wie ging es weiter, nachdem du dich beworben hattest? Wie war denn dein USA-Jahr und wo warst du platziert?

Nach der Bewerbung gab es die Auswahlgespräche und dann kam die Zusage von meinem Bundestagsabgeordneten – Friedrich Merz, CDU. Die Zeit danach ging ziemlich schnell um. Das Vorbereitungsseminar von einer Woche ist sehr ausführlich: man wird auf alles – naja nicht auf alles – aber auf das Nötigste vorbereitet, wie die Kultur ist, worauf man sich einstellen muss und auch bürokratische und rechtliche Sachen werden besprochen.

Sebastian als Coach des Fußballteams seiner Gastschwester

Dann kommt der Abflug! Es geht erstmal gesammelt nach New York und ich war in der Nähe von Chicago, in Naperville platziert. Für mich, als Landei aus dem Sauerland, war das schon eine große Stadt und ich hatte dort eine super Gastfamilie. Bei meiner Gastschwester habe ich mich als Coach beim Fußballtraining engagiert, mein Gastvater ist auch Ingenieur und mit meiner Gastmutter und meinem Gastbruder war es auch total locker.

Das ganze Jahr mit einem Wort zu beschreiben ist schwierig – gerade wenn man geheiratet und 2 Kinder hat ist es schwer, es als das großartigste Jahr zu beschreiben – aber insgesamt das abwechslungsreichste und bunteste an Erfahrungen.

Denn selbst nachdem man irgendwann in den Alltag gekommen war, war es trotzdem jeden Tag etwas Besonderes aufs College zu gehen, durch die Straßen zu fahren und Neues zu erleben.

Wie würdest du denn den Arbeitsalltag in den USA beschreiben? Wo hast du dort gearbeitet und was waren die Unterschiede, beispielsweise zu deinem jetzigen Job?

Ich habe auf einem Eisenbahn-Güterbahnhof gearbeitet, wo diese repariert wurden. Mein Arbeitsalltag war wahrscheinlich eher untypisch. Die meisten meiner Arbeitskollegen waren Mexikaner, was mir die Möglichkeit gegeben hat, nochmal eine andere Kultur kennenzulernen und ich wurde immer gut mit scharfem Essen versorgt. Das passte aber auch insgesamt wieder zum amerikanischen Leben, denn es gibt wirklich sehr viele Hispanics in den USA, die gerade die Jobs erledigen, die die Amerikaner selbst nicht machen wollen. Das hat mein Bild von Amerika um diesen Aspekt ergänzt.

Sein Praktikum absolvierte Sebastian auf einem Railway Yard

Inwiefern hat die Erfahrung in diesem Arbeitsalltag dein weiteres Berufsleben bereichert?

Das Größte war die Sprache – das Technische war mir durch die Ausbildung bereits bekannt, aber die Fachbegriffe auf Englisch zu lernen hat mir später sehr viel geholfen. Ich habe nach meinem Maschinenbaustudium als Projektleiter angefangen und musste auch Werke in China und Mexiko koordinieren – alles auf Englisch. Aber auch insgesamt ein anderes Arbeitsumfeld zu sehen, z.B. das Duzen und dass man den Chef mit „hey boss“ anspricht, erzeugen eine lockere Atmosphäre.

 

Und wie waren deine Erfahrungen in der Gastfamilie, wie hast du es wahrgenommen, worauf muss man achten und gab es vielleicht Schwierigkeiten?

Menschen sind so unterschiedlich, da gibt es keinen Schlüssel für alles.

Man sollte generell offen sein und einfach schauen, was die Menschen von einem erwarten. Bei mir hat es sehr gut funktioniert und wir waren direkt auf einer Wellenlänge – die Partnerorganisation in den USA macht da ein sehr gutes Matching. Ich habe recht schnell gemerkt, dass sie mich wie den eigenen Sohn behandelt haben, da wurde ich genauso ermahnt, wenn ich z.B. die Milch nicht zurück in den Kühlschrank gestellt hatte. Wir haben auch immer noch sehr starken Kontakt – sie kamen mit 8 Leuten zu meiner Hochzeit. Ich war erst vor einem halben Jahr wieder da und wenn man zurückgeht ist es so, als wäre man nie weg gewesen.

Ich habe auch noch einige Freunde aus der Zeit, die mich hier in Deutschland schon besucht haben. Einer dieser Freunde hat sogar anderthalb Jahre bei mir in der Familie gelebt – es war eine interessante Erfahrung, auch mal die Rolle der Gastfamilie einzunehmen.

Wie kam es denn dazu, dass du dem PPP nach deinem Jahr noch verbunden geblieben bist und dich dafür ehrenamtlich engagierst?

Sebastian heute (m.): Als Teamer unterstützte er die 34. PPPler im März 2017 auf dem Vorbereitungsseminar in Bad Bevensen

Ich hatte mich schon immer, besonders in meinem kleinen Dorf, ehrenamtlich für gute Dinge engagiert und das PPP ist ganz deutlich eine gute Sache. Man bekommt so viel vom Programm und weiß gar nicht, wie man das zurückgeben kann. Als Teamer bei den Vor- und Nachbereitungsseminaren habe ich aber einen Weg dazu gefunden. Die Teilnehmer auf dem Vorbereitungsseminar sind natürlich sehr neugierig und da ist es schön, ihnen von seinen eigenen Erfahrungen zu erzählen und man kann sein Jahr nochmal auf andere Weise sehen. Man kann sich nur schwer von dem PPP trennen, denn es ist schon wie ein Traum, wenn man ein Jahr in den USA lebt. So kann man immer mit den neuen Teilnehmern wieder mitträumen.

Wie war der Kontakt zu den anderen – damals insgesamt noch 100 – Teilnehmern?

Es war ein starker Kontakt. Der Zusammenhalt beginnt schon auf den Vorbereitungsseminaren, die in der Regel heute an 3 verschiedenen Orten mit jeweils 25 Leuten stattfinden. Man erlebt in den USA so viele Sachen, die man teilen möchte und wenn man das jemanden in Deutschland mitteilt, ist es etwas ganz Anderes, als wenn man es mit jemandem teilt, der dasselbe durchmacht. Auch wenn man vielleicht in einer schwierigen Situation ist, kann man einander besser verstehen und sich gegenseitig unterstützen. Man trifft sich auch mal und macht vielleicht am Wochenende einen Ausflug zusammen oder besucht sich gegenseitig in seinen Gastfamilien.

Zu guter Letzt: wieso sollten sich Interessierte jetzt für das PPP bewerben?

Bereits Interessierte sollten sich so oder so bewerben! Wer das Programm vielleicht noch nicht kennt: es ist eine Möglichkeit die Welt von einer anderen Seite zu sehen. Gerade jetzt zu einer Zeit in der Trump Präsident ist, ist es sehr interessant eine andere Sichtweise kennenzulernen und auch im Sinne des Programms, die transatlantischen Beziehungen zu stärken. Für einen selber: man hat die Möglichkeit aufs College zu gehen, internationale Arbeitserfahrung zu sammeln, bei einer anderen Familie zu leben und ganz wichtig – sehr viel über sich selbst zu lernen. Denn man weiß erst wie man wirklich auf eine Situation reagiert, wenn man nicht in seiner Comfort Zone ist, d.h. man kann sich stark weiterentwickeln. Am Ende ist es einfach ein total geniales Jahr, man hat so viel zu erzählen. Ich kann es nur jedem empfehlen, wenn man 2 oder 3 Mal mitmachen dürfte, würde ich es sofort wieder tun.

Wer es nicht macht, der verpasst Einiges!

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Ein riesen DANKE vom PPP-Team für dein großartiges Engagement, Sebastian!

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Die Bewerbungsphase für das 36.PPP ist schon bald vorbei! Eure Bewerbungskarte könnt ihr entweder online ausfüllen oder per Post einsenden.

Weitere Informationen findet ihr hier auf der Website unter http://usappp.de/die-ppp-bewerbung/ oder mit einem Klick oben auf die Freiheitsstatue.

Viel Erfolg bei eurer Bewerbung!

Wenn ihr für das Programm werben möchtet (z.B. mit Flyern oder Postern), schreibt uns gerne eine Mail an usappp@giz.de.

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