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„PPP-Stories: Eindrücke Aus 35 Jahren“- Teil 5: Ein Interview Mit Kai Kircher

„PPP-Stories: Eindrücke aus 35 Jahren“- Teil 5: Ein Interview mit Kai Kircher

Kai Kircher war Teilnehmer des 17. PPPs im Jahr 2000/2001 und ist heute Tutor für die amerikanischen Teilnehmer in Heidelberg. Im Interview erzählt er uns von seinem „bunten Jahr“ in den USA, wieso er auch heute noch hinter der Idee des PPPs steht und sich für das Programm engagiert.

Erzähl uns erstmal ein bisschen von dir: Wie heißt du? Was machst du? Und wie stehst du in Zusammenhang mit dem PPP?

Ich heiße Kai Kircher, komme aus Heidelberg und bin dort Tutor für das PPP. Ich betreue die amerikanischen Teilnehmer, die nach Deutschland kommen. Es sind zwei, die nächstes Jahr zum 35. PPP kommen werden und letztes Jahr beim 34. PPP waren es auch zwei. Ich war auch selbst Teilnehmer auf deutscher Seite, zum 17. PPP im Jahr 2000/2001 war ich in den USA. Dort habe ich in Pennsylvania den ersten Teil, also die Collegephase gemacht und war in Allentown. Dann hatte ich noch die Möglichkeit am Zusatzprogramm, bei dem man im Januar/Februar am Kongress in Washington D.C. ein Praktikum machen konnte, teilzunehmen. Es war eine ganz tolle Zeit, denn es war auch die Zeit in der George W. Bush gerade Präsident wurde. Man konnte auch bei der Inauguration, der Vereidigung, mit dabei sein und sich das mal anschauen. Es war auch ganz spannend, dass man seinen Vorgänger Bill Clinton einmal bei einer Rede an der Georgetown University erlebt haben.
Danach bin ich wieder zurück nach Pennsylvania und habe ein Praktikum bei einer Tochterfirma der „HeidelbergCement“, der „Heidelberger Portland Cement“, gemacht. Dort war ich im IT-Bereich, bei der internen Revision und bei Prüfungen dabei, sodass ich auch nochmal in den USA reisen konnte und da eine echt spannende Zeit hatte.

Was hat dich damals dazu bewogen, dich für das PPP zu bewerben?

Ich hatte ganz normal eine Ausbildung als Industriekaufmann gemacht und habe dann auch bei HeidelbergCement in Heidelberg gearbeitet und hatte aber schon immer als ganz großes Ziel mal in die USA zu reisen. Klar, ich hatte schon einmal Urlaub dort gemacht, aber es war schon natürlich ein Traum wirklich dort zu leben. Ich weiß noch, wie meine Schwester damals mit einem Zeitungsausschnitt in der Hand zu mir kam, mit dem Aufruf von einem Abgeordneten in Heidelberg, dass die Bewerbungsphase für das PPP jetzt anfängt. Man muss einige Hürden nehmen im Prozess, denn es waren damals sehr viele Bewerber. Wir hatten 100 Plätze, also zwar mehr als heute, aber es waren auch zwischen 600-700 Bewerber. Es hat aber dann geklappt und so konnte ich im August 2000 ausreisen.

Wie hast du so die Zeit zurückblickend erlebt? Gibt es ein besonderes Event, das dir besonders im Kopf geblieben ist oder dein Jahr beschreibt?

Nur ein Event zu nennen ist wirklich schwierig, da man so viel erlebt hat. Gerade bei mir durch diesen Wechsel und dass ich an mehreren Orten war. Zudem habe ich dann auch aus verschiedenen Gründen mal die Gastfamilie gewechselt und habe die unterschiedlichsten Familien erlebt: mal eine Großfamilie, eine Familie mit einem Hispanic Background und in Washington D.C. wieder eine neue Gastfamilie.

Ich habe wirklich das bunte Amerika miterlebt!

Das ist vielleicht die große Überschrift, dass man gesehen hat wie vielfältig und bunt die USA sind und dass es den Amerikaner nicht gibt. Ich habe auch die unterschiedlichsten Meinungen mitbekommen, von sehr konservativen Amerikanern zu ganz liberalen, also es war wirklich ein ganz buntes Jahr.

Kai Kircher bei einem Besuch in L.A. während des           17. PPPs in 2000/2001

Dadurch, dass du in mehreren Gastfamilien gelebt hast, hast du sicherlich einen tiefen Einblick in den Alltag und unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten in Amerika bekommen, was wahrscheinlich sehr interessant war oder?

Auf jeden Fall! Ich habe beispielsweise bei einer Gastfamilie aus Costa Rica, in der die Mutter alleinerziehendend war mit zwei pubertierenden Kindern gewohnt. Die meiste Zeit habe ich jedoch bei einem Ehepaar verbracht, dessen Kinder schon groß und die eher konservativ eingestellt waren. Wir sind bis heute auch noch ein bisschen in Kontakt und diskutieren z.B. über die politische Situation, Clinton und Trump. Das hat mir auch geholfen zu verstehen, denn wir aus Deutschland denken nur ‚Wie kann es sein, dass überhaupt jemand Trump wählt?‘. Ich kann es zwar immer noch nicht nachvollziehen, aber durch die Diskussion bekommt man mit, dass die Entscheidung für die Amerikaner auch nicht ganz so leicht war. Das waren auch immer interessante Diskussionen.

Was war der Grund, dich nach deiner Rückkehr nach Deutschland weiter für das PPP zu engagieren?

Überwiegend dadurch, dass es in Heidelberg keinen Tutor gab, aber immer wieder Teilnehmer nach Heidelberg kommen wollten. Es begann damit, dass eine Teilnehmerin, die Musiktherapie studieren wollte, nach Heidelberg kam. Es gibt nur ganz wenige Universitäten oder Hochschulen, an denen das möglich ist, z.B. jedoch in Heidelberg. Ich arbeite auch für die SRH Hochschule, die zum Teil Therapiewissenschaften mit Musiktherapie anbietet.

So rutschte ich also langsam in die Tutorenrolle rein und bin seitdem auch dabeigeblieben, weil es wirklich sehr spannend ist. In meinem Fall bekomme ich ganz früh die Informationen der Teilnehmer und überlege, wer von den 75 Amerikanern denn nach Heidelberg passen könnte. D.h., von diesen ersten Feldern in einer Excel-Tabelle, über den Gastfamilienbrief, die Bewerbungsunterlagen bis hin zu den Teilnehmern, die dann am Bahnhof in Heidelberg stehen und ich sie abholen darf – das macht unglaublich Spaß. Man hat vorher immer eine Vorstellung, ein Bild im Kopf, bis man sich tatsächlich kennenlernt und ins Gespräch kommt. Letztes Jahr habe ich sogar selbst in meiner Familie ein paar Teilnehmer für einige Tage empfangen.

Welche Aufgaben hat denn ein Tutor genau?

Es fängt schon vor der Platzierung der Teilnehmer an, indem man zunächst nach einer Gastfamilie oder Unterbringung schaut. Wir nutzen z.B. die Rhein-Neckar-Zeitung bei uns für Interviews, gehen auch über Mundpropaganda, sodass Gastfamilien andere Familien informieren, oder über die Schulen – also die unterschiedlichsten Wege. Der nächste Schritt ist dann die Organisation für die Universität oder Hochschule zu übernehmen, z.B. das Anmelden oder die Einschreibung, die gemeinsam mit dem Teilnehmer persönlich vor Ort erfolgt. Außerdem gilt es mit den Teilnehmern zusammen Praktika zu finden: den ganzen Bewerbungsprozess zu betreuen, Bewerbungsunterlagen anzuschauen, Ideen zu geben, wo sich die Teilnehmer bewerben könnten und für eventuelle Fragen zur Verfügung zu stehen. Spätestens wenn die Teilnehmer aber dann im Praktikum sind, läuft es von alleine.

Eine letzte Frage: wie du weißt, sind wir in die Bewerbungsphase für das 36. PPP gestartet. Warum sollte sich aus deiner Sicht als Alumni, ein junger Berufstätige gerade jetzt für das PPP bewerben?

Rückblickend hat mir dieses Jahr in den USA unglaublich geholfen. Wäre man in seinem alten Job geblieben, hätte man sich auch entwickelt, aber die Geschwindigkeit ist eine ganz andere.

Wenn man betrachtet was man mitnehmen kann an neuen Erlebnissen und Herausforderungen, die man in so einem Jahr meistern muss, dann wiegt ein Jahr Austausch genau so viel wie vielleicht fünf Jahre Entwicklung in seinem normalen Umfeld.

Bewirb dich hier!

Ein weiterer großer Punkt ist, dass man ein Jahr Ausländer ist. Dieses Gefühl mal zu erleben, in den USA zu sein und bei null anfangen zu müssen – man kennt niemanden und spricht die Sprache nur so einigermaßen – die Erfahrung, sich da durchkämpfen zu müssen, sollte jeder Mensch mal gemacht haben finde ich.

Wenn man als junger Mensch also die Chance dazu hat und offen für so ein Erlebnis ist, kann ich es wirklich nur jedem empfehlen! Zumal es auch am einfachsten ist, wenn man noch jung und ungebunden ist.

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Die Bewerbungsphase für das 36.PPP ist gestartet. Eure Bewerbungskarte könnt ihr entweder online ausfüllen oder per Post einsenden. Weitere Informationen findet ihr hier auf der Website unter http://usappp.de/die-ppp-bewerbung/ oder mit einem Klick auf die Freiheitsstatue.

Viel Erfolg bei eurer Bewerbung!

Wenn ihr für das Programm werben möchtet (z.B. mit Flyern oder Postern), schreibt uns gerne eine Mail an usappp@giz.de.

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