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„PPP-Stories: Eindrücke Aus 35 Jahren“- Teil 8: Ein Interview Mit André Siebert

„PPP-Stories: Eindrücke aus 35 Jahren“- Teil 8: Ein Interview mit André Siebert

André Siebert, Teilnehmer des 19. PPPs, erzählt uns im Interview u.a. inwieweit das PPP-Jahr einem ein Leben lang verbunden bleibt.

Erzähl uns doch am Anfang erstmal was du machst, wer du bist und wie du im Verhältnis zum PPP stehst!

Ich bin André Siebert und meine Aufgaben im PPP sind zurzeit Tutor und Regionalbetreuer in Hamburg, was ich inzwischen im 8. Jahr mache und nebenbei bin ich im PPP Alumni e.V. aktiv. Wir bemühen uns z.B. gemeinsame Termine zu finden, sodass die Ehemaligen auch die aktuellen Amerikaner kennenlernen können oder die Kontakte zum Konsulat aufrecht zu erhalten und Veranstaltungen für das PPP zu organisieren.

Bei einem Familientreffen der Gastfamilie

Du warst auch selbst PPP-Teilnehmer oder?

Ja, ich war Teilnehmer des 19. PPPs (2002/2003). Ich hatte mich zwar schon für das Jahr zuvor beworben und bin aber nur Ersatzkandidat geworden – dabei habe ich mir dann gedacht „entweder sie nehmen mich ganz oder gar nicht“. So habe ich mich im nächsten Jahr nochmal beworben und wurde eben aufgrund meiner Hartnäckigkeit von meiner Patenabgeordneten ausgewählt und konnte somit ein Jahr in Richmond, Virginia verbringen.

 

Wie war dein USA-Jahr insgesamt?

Nach einem holprigen Start und einer durchwachsenen Uni-Zeit kam am Ende ein sehr guter Job und ich hatte dazu eine wundervolle Gastfamilie. Mit ihr pflege ich bis heute den Kontakt und bin in der Regel einmal im Jahr dort zu Besuch. Meine Gastmutter hat mir mal gesagt: „Alle meine Kinder haben ein Schlüssel fürs Haus“ – und so habe ich tatsächlich bis heute noch den Schlüssel und kann sozusagen kommen und gehen wann ich möchte.

Wo hast du dein Praktikum gemacht?

André bei der Arbeit bei Wella Haircare – in seiner Laborkleidung, in seinem Büro.

Ich hatte es relativ schwer, da ich gelernter Galvaniseur bin und es in dem Bereich nicht so viele Angebote gab. In der Bewerbungszeit war es für mich auch schwer in den Bewerbungsunterlagen das Richtige zu schreiben, um überhaupt zu einem Gespräch eingeladen zu werden, da unser Ausbildungssystem in den USA nicht bekannt ist.
Deswegen habe ich in den ersten zweieinhalb Wochen in einem Logistikunternehmen gearbeitet, was aber nicht ganz das war, was ich machen wollte, sodass ich nebenbei weiter nach einem anderen Job gesucht habe.
Bei Wella Haircare habe ich dann schließlich im Test- und Entwicklungslabor eine Anstellung gefunden. Aufgrund meiner Erfahrung und Ausbildung als Galvaniseur mit chemischen Background in Deutschland konnte ich im Vorstellungsgespräch überzeugen. So hatte ich ein paar Tage später einen neuen Job, den ich auch sehr genossen habe. Das Team war super und mir wurden viele Aufgaben eigenverantwortlich anvertraut. Ich habe z.B. ein Budget von 10.000 Dollar bekommen mit der Aufgabe, das Labor neu auszustatten. Meine Chefin hatte nur 3 Vorgaben gemacht, was definitiv dabei sein sollte – der Rest war mir überlassen. Damals hätte ich mir das als 23-jährigen eigentlich nicht zugetraut. Genau das hat mir aber Selbstbewusstsein gegeben und sich positiv auf meine weitere Entwicklung ausgewirkt. Als ich zurück in Deutschland war wusste ich, das habe ich in den USA auch schon geschafft, das schaffe ich jetzt hier in Deutschland auch – und auch mehr.

Also würdest du sagen, auch wenn du nicht direkt in deinem Beruf gearbeitet hast, dass diese Erfahrung dich in deiner beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung vorangebracht hat?

Absolut. Zum einen, dass man über den eigenen Tellerrand hinausschaut. Außerdem hätte ich mir vor dem Jahr nicht zugetraut ein Studium anzufangen, was nach dem Jahr für mich aber dann selbstverständlich war. Darüber hinaus macht es einen flexibler in der eigenen Denkweise, d.h. nicht zu sagen „ich kann nur das, also mach ich nur das“, sondern immer neue Herausforderung anzunehmen. Ich habe also anschließend studiert und bin jetzt aktuell als Produktmanager und Teamleiter tätig.

André beim Community Service: Er half seiner Gastmutter, die mit der Red Hat Society (RHS) bei Uni-Basketballspielen unentgeltlich die Verkaufsstände betrieb

Was waren deine Erlebnisse während der Collegephase? Du warst in einem Community College – wie unterscheidet sich das von einer Hochschule in Deutschland?

Was ich ganz komisch fand, war das klassische „ich gehe dahin und bin dann wieder weg“, d.h. ein Miteinander gab es nicht wirklich. Denn das Community College ist häufig nur das Sprungbrett, um danach wirklich auf die Universities zu gehen; oder man macht den Abschluss nur nebenbei, weil man in seinem jetzigen Job weiterkommen möchte, sodass von jung bis alt alle Altersstufen vertreten waren, die aber alle ihre eigenen Leben hatten. Wenn man hier in Deutschland auf die Uni geht ist man mit mehr oder weniger allen auf der gleichen Wellenlänge und die Uni ist auch der Schwerpunkt deines Lebens – also das typische Studentenleben, das man hier in Deutschland kennt, hatte ich dort nicht.

Ich habe mir auf dem College 4 Kurse ausgesucht, u.a. Introduction to Business, welches mir bei meinem damaligen Englischlevel nicht so leicht von der Hand ging und auch zusätzlich einen Englischkurs.

Deinen Englischkenntnissen hat die intensive Collegephase aber also nicht geschadet oder?

Nein, ich muss auch ganz ehrlich und offen sagen, dass mein Englisch in der Schule wirklich schlecht war – also eher im 4/4- Bereich – sodass die Collegephase da sehr hilfreich war. Ich hatte auch niemanden vom Programm direkt in der Nähe, meine Gasteltern haben kein Deutsch gesprochen, ich hatte sonst keinen Deutschen in der Uni, d.h. ich musste vom ersten Tag an nur Englisch sprechen. Dass ich diesen zusätzlichen Englischkurs gemacht habe und da viele Vorträge gehalten und Essays geschrieben habe etc. hat schon sehr geholfen. Wenn ich mir heute meinen Final Report durchlese bin ich schon erstaunt, auf welchem Level mein Englisch damals war. Momentan habe ich in meinem Job täglich Kontakt mit Kunden auf Englisch – das hätte ich allein mit meinem Schulenglisch und keinen Auslandserfahrungen so nie geschafft.

Thanksgiving Diner

Was war nach der Rückkehr nach Deutschland deine Motivation, dich weiter für das PPP zu engagieren?

Mir war immer bewusst, dass das PPP eine ganz besondere Chance war. Weder meine Eltern noch ich hätten mir diese Erfahrung ermöglichen können, deswegen war ich von Anfang an sehr dankbar für das Stipendium und habe das nie als selbstverständlich erachtet. Es ergab sich dann Möglichkeit, mit vielen anderen Ehemaligen den Alumniverein ins Leben zu rufen, mit Unterstützung der Botschaft, in dem ich dann für Hamburg aktiv war und Stammtische und Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Konsulat organisiert habe, wo man auch Teilnehmer von anderen Jahrgänge trifft oder auch mal in Kontakt zum Schüler-PPP tritt.

Irgendwann äußerte ich dabei den Wunsch, bei einem Nachbereitungsseminar dabei zu sein oder die Amerikaner zu betreuen – und dann ging das alles sehr schnell, kurze Zeit später hatte ich den Tutoren-Job und nach ein paar Jahren die Regionalleitung in Hamburg. Als ich aber dann die Regionalleitung übernommen habe, konnte ich nicht mehr alles machen und konnte aber aufgrund unseres Netzwerkes ganz schnell einen Nachfolger finden. Genau das ist der Vorteil eines solchen Netzwerkes – jeder ist super miteinander vernetzt – von Unterkunftsmöglichkeiten bis zur Unterstützung bei der Jobsuche – jeder kann durch die eigenen Kontakte dem anderen weiterhelfen – das ist schon grandios, was in den letzten Jahren alles dadurch zustande gekommen ist. Ich bin sehr froh, ein Teil davon zu sein!

Was ist denn für dich der Reiz, als Tutor mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten?

Für mich ist es ganz spannend zu beobachten, welche Fragen damit verbunden sind, einer ganz fremden Person seine Türen zu öffnen und ihn bei sich zuhause unterzubringen. Während der Gespräche mit den Teilnehmern/Gasteltern höre ich öfters unterhaltsame Anekdoten, insbesondere über die Unterschiede bei den Essensgewohnheiten. Das erste Treffen der Gastfamilie mit dem Teilnehmer ist immer einzigartig und ein spannender Prozess zu sehen, wie Gasteltern und Teilnehmer zueinander finden.

Der Reiz ist wirklich jedes Jahr aufs Neue andere Leute, Geschichten, Situationen kennenzulernen, die aber alle diesen Spirit und den Mindset des interkulturellen Austausches miteinander teilen, was einen immer verbindet.

Bewirb dich hier!

Letzte Frage: warum sollte sich ein junger Mensch gerade jetzt für das PPP bewerben?

Ich erinnere mich noch sehr genau an das Vorbereitungsseminar, an dem ein ehemaliger Teilnehmer zu uns sagte:

„Bereitet euch auf das beste Jahr eures Lebens vor“.

Auch wenn das schon ein paar Jahre her ist, kann ich es heute immer noch bestätigen! Was man in dem Jahr so komprimiert als Input bekommt, neues Land, neue Leute, neue Sprache, neue Familie – das kriegt man so nie wieder. Das verändert und bereichert das Leben. Ich kann nur jedem raten, sich so ein Jahr mal „anzutun“ und davon ein Leben lang zu profitieren.

“It might change your life!“


Lieber André, dein tolles Engagement verdient an dieser Stelle ein ganz großes DANKE!


Die Bewerbungsphase für das 36.PPP ist schon bald vorbei! Eure Bewerbungskarte könnt ihr entweder online ausfüllen oder per Post einsenden.

Weitere Informationen findet ihr hier auf der Website unter

http://usappp.de/die-ppp-bewerbung/

oder mit einem Klick auf die Freiheitsstatue.

Viel Erfolg bei eurer Bewerbung!

Wenn ihr für das Programm werben möchtet (z.B. mit Flyern oder Postern), schreibt uns gerne eine Mail an usappp@giz.de.

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