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Projektleiter Theo Fuß

PPP-Stories: Eindrücke aus 35 Jahren – Teil 1: Ein Interview mit Projektleiter Theo Fuss

 

Theo Fuss engagiert sich seit über 20 Jahren für das Parlamentarische Patenschafts-Programm. Im Interview erzählt er von seinen Erfahrungen und warum junge Berufstätige sich jetzt bewerben sollten.

Zu Anfang: Herr Fuss, was machen Sie und was ist ihre Funktion innerhalb des PPP-Teams bei der GIZ?

Ich bin bei der GIZ schon seit über 20 Jahren im Nordamerika-Bereich tätig. Hier habe ich viele unterschiedliche Programme gestaltet und immer auch, im Auftrag des Deutschen Bundestages, das Parlamentarische Patenschafts-Programm für junge Berufstätige, für das ich offiziell der Projektleiter bin. Als solcher bin ich hauptverantwortlich für das gesamte Programm, die Organisation und die Abwicklung.

Erzählen Sie uns doch ein Wenig von den Anfängen des Programmes. Was würden Sie sagen hat sich über die Jahre verändert?

Das PPP ist eines dieser USA-Programme, die Anfang der 80er Jahre ins Leben gerufen wurden. Der unmittelbare Anlass für die Programminitiierung war damals die 300 Jahr Feier der ersten deutschen Einwanderung in die USA. Das war der äußere Anlass. Der Hintergrundanlass war aber wirklich die damalige Zeit. Die politischen Umstände, die diese Zeit geprägt haben. Heute ist diese Zeit weit weg, eben 35 Jahre, damals war es noch das Zeitalter des so genannten Kalten Krieges. Also die Konfrontation zwischen Ost-Block und dem Westen, also den westeuropäischen Staaten und den USA. Konkret ging es damals unter anderem um die Frage der Nachrüstung mit atomaren Waffen auf deutschem Boden. Diese Diskussion führte zu massiven antiamerikanischen Protesten hier in Deutschland. Gerade unter jungen Leuten. Damals war das Image der USA sehr umstritten. Vor diesem Hintergrund hat man überlegt: „Wie kann man den Anlass der 300-Jahr-Feier nutzen, um insgesamt das Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika zu verbessern.“ Als eine Antwort kam man auf das Instrument Austausch.

Ein Foto vor dem Abflug des ersten PPP-Jahrganges in Richtung USA.

Das PPP war eines der prominentesten Programme, die damals entstanden. Prominent allein deshalb, weil der Vorschlag für das Programm vom Bundestag selbst kam, mit dem amerikanischen Kongress zusammen einen Austausch mit jungen Leuten ins Leben zu rufen. Die Zielgruppe sollten vor allem Schüler sein, dann aber auch die Gruppe der jungen Berufstätigen. Also eine Gruppe die damals immerhin 60-70 Prozent der jungen Leute umfasste, die nach ihrem Schulabschluss nicht studiert haben. Für diese Gruppe gab es damals so gut wie keine Austauschmöglichkeiten. Insofern war das PPP von Anfang an einzigartig, wegen des politischen Hintergrundes, aber auch die Zielgruppe.

Ein weiteres politisches Moment war, dass der Bundestag dann sagte, wir geben nicht nur das Geld, sondern involvieren jeden einzelnen Abgeordneten. Daraus entstand die Idee eines Patenschafts-Programmes. Hinter jedem Teilnehmer sollte ein Abgeordneter der jeweiligen Parlamente stehen. Das ist nach wie vor das Besondere am PPP. Es wird ja häufig verwechselt mit dem amerikanischen Partnerschafts-Programm (lacht). Die Idee ist ähnlich, aber der Aspekt der Patenschaft spielt dann doch eine wichtigere Rolle.

Das PPP ist kein Elitenprogramm, sondern will junge Leute aus einer gesellschaftlichen Bandbreite fördern.

Auf die Intention sind Sie ja schon ein bisschen eingegangen. Können Sie vielleicht noch einmal herausstellen, was genau die Grundidee des PPP ist?

Die Grundidee war, dass man einen Austausch ins Leben rufen wollte. Der Austausch gerade von jungen Leuten ist eine Idee, die vor allen Dingen nach dem zweiten Weltkrieg als ein Instrument in der internationalen Politik, in den auswärtigen Kulturbeziehungen, entwickelt wurde. Junge Menschen sollten über einen längeren Austauschaufenthalt im jeweilige Partnerland die dortige Kultur und Gesellschaft von Grund auf kennen lernen. Sie sollten so ein tiefergreifendes Kulturverständnis vermittelt bekommen. Dies war – und ist immer noch – auch ein Kerngedanke des PPP. Ein zweiter Gedanke war, dass man auch  junge Leute fördern wollte, die aufgrund ihres finanziellen Hintergrundes nicht die Chance haben, an solch einem Programm teilzunehmen. Das PPP war und ist daher kein „Eliteprogramm“, es fördert nicht Nachwuchspolitiker oder nur Leute mit herausragenden Begabungen; die auch, aber das PPP will junge Leute aus einer gesellschaftlichen Bandbreite fördern, Jugendliche, die aus den verschiedensten Ecken der Gesellschaft kommen. Unter den jungen Berufstätigen finden sich daher Vertreter vieler unterschiedlicher Berufe, vom Bäcker bis zum Banker.

Was motiviert Sie denn persönlich sich noch für das Programm zu engagieren?

(lacht) Ja, das ist ein Phänomen – solange einem Programm und internationalem Austausch insgesamt verbunden zu bleiben, ist aber gar nicht so selten in der Austauschszene.  Es gibt ja über 60-70 Austauschorganisationen in Deutschland, die alle möglichen Formen von Austausch organisieren. In diesen Organisationen gibt es eine ganze Reihe von Leuten, die, wie ich, infiziert wurden von der Idee des Austausches – erst persönlich, dann beruflich – und dabei geblieben sind. Meiner Meinung nach ist Austausch immer noch ein wichtiger Anker innerhalb der internationalen Beziehungen, auch wenn sich viel verändert hat. Von daher stehe ich nach wie vor sehr dahinter und kann mich gut mit den verschiedenen Dimensionen, die internationaler Austausch mit sich bringt, identifizieren.

Gibt es denn in Ihrer Zeit beim PPP ein Ereignis, das für Sie besonders heraussticht?

Gute Frage. In den vielen Jahren in denen ich das Programm betreue, gab es unendlich viele Geschichten. Darunter zum Teil sehr persönliche Geschichten, die mich sehr berührt haben in der Wirkung, die dieses Programm auf die Teilnehmer hatte. Sowohl während als auch viele Jahre nach dem Ende der Programmzeit. Das zu sehen und mitzuerleben ist immer sehr schön.

Anlässlich der „Save-PPP“ Kampagne hatte Angela Merkel zum Empfang geladen.

Aus Programmsicht, denke ich, gab es eine herausragende Phase, die ist noch gar nicht so lange her. Vor 2 oder 3 Jahren kam die Frage auf: „Macht es Sinn nach über 30 Jahren noch Sinn, das PPP weiter zu führen? Ist es nicht Zeit mit dem Geld andere Austauschprogramme zu fördern?“ Auf diese Frage gab es eine klare Antwort, um nicht zu sagen einen Aufschrei, sowohl auf politischer Ebene als auch auf der Ebene der ehemaligen Teilnehmer. Der Deutsche Bundestag hat sich eindeutig hinter das Programm gestellt und deutlich gemacht, dass sowohl die Institution, aber auch viele Abgeordnete persönlich, hinter der Förderung des PPP stehen. Das wurde gestützt durch viele engagierte Ehemalige, die sich nicht nur mündlich, sondern auch politisch geäußert haben, in Form einer Petition für die Fortsetzung des Programmes in bisheriger Form. Innerhalb weniger Wochen wurde diese Petition von über 20.000 Personen unterschrieben. Vor allem von ehemaligen Teilnehmern, aber auch von vielen Gastfamilien, von Firmen, von Hochschulen und anderen, die alle in irgendeiner Form mit dem Programm verbunden waren – in Deutschland genauso wie in den USA. Die Petitions-Kampagne nannte sich „Save PPP“ und war ein voller Erfolg. Sie stellt in der Tat einen Meilenstein in der Programmgeschichte dar.

Die hohe Identifikation, nicht nur von aktuellen Teilnehmern, sondern von vielen Ehemaligen zeichnet das PPP aus. Viele sprechen von der „PPP-Familie“.

Also ein großer Zusammenhalt in der PPP-Community…

In der Tat: Die hohe Identifikation, nicht nur von aktuellen Teilnehmern sondern von vielen Ehemaligen zeichnet das PPP aus. Viele sprechen von der „PPP-Familie“ – nach dem Motto: „Einmal PPP – Immer PPP“. Konkret bedeutet das, dass sich viele Ehemalige auch nach Programmende zu Gunsten des Programmes einsetzen und uns im Rahmen der Programmdurchführung helfen. Zum Beispiel bei Seminaren oder Auswahlgesprächen, oder auch – gerade in diesen Monaten – bei der Beratung von neuen Teilnehmern. Das zeigt: Das PPP lebt und prägt! Es konzentriert sich nicht „nur“ auf dieses eine Jahr, sondern zeigt auch darüber hinaus Wirkung.

Bewirb dich hier!

Die Bewerbungsphase für das 36.PPP hat ja gerade begonnen. Warum sollten sich junge Berufstätige jetzt bewerben?

Aus Sicht eines Auszubildenden oder gerade Ausgebildeten bietet das PPP nach wie vor etwas, was viele Austauschprogramme ansonsten nicht bieten: Diese Kombination aus Leben, Studieren und Arbeiten in den USA. Das PPP ist auf ein Jahr angesetzt, was sich erst einmal sehr lange anhört, aber im Endeffekt genau die richtige Dauer ist, um tief in die amerikanische Kultur eintauchen zu können. Es bietet so unendlich viele Möglichkeiten sich zu entwickeln. Hinsichtlich der englischen Sprachkenntnisse, der Kulturkenntnisse oder aber auch das Reisen durch das Land. In der Form bietet das kein anderes Programm. Genau deswegen fühlen sich auch viele der Interessenten motiviert, sich das PPP als eine Option nach Beendigung ihrer Ausbildung näher anzugucken. Viele, die sich an uns wenden sagen: „Ich will ´raus, ich will ´mal ins Ausland. Ich will ´was Neues sehen und kennen lernen!“ – all das bietet das PPP, nicht nur inhaltlich. Auch finanziell ist das PPP attraktiv. Es ist nach wie vor eines der bestgeförderten Austauschprogramme, die es gibt. Es ist kein Vollstipendium, das heißt ein gewisser Eigenbetrag ist schon gefragt, aber im Verhältnis dazu, was das Programm bietet ist es das Beste, was man auf dem Austauschmarkt finden kann!


Die Bewerbungsphase für das 36.PPP ist gestartet. Eure Bewerbungskarte könnt ihr entweder online ausfüllen oder per Post einsenden. Weitere Informationen findet ihr hier auf der Website unter http://usappp.de/die-ppp-bewerbung/ oder mit einem Klick auf die Freiheitsstatue.

Viel Erfolg bei eurer Bewerbung!

Wenn ihr für das Programm werben möchtet (z.B. mit Flyern oder Postern), schreibt uns gerne eine Mail an usappp@giz.de.

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