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Die Qual Der Wahl

Die Qual der Wahl

Clinton vs. Trump

Ein Teilnehmerbericht des 33. PPPs

In diesem Artikel möchte Ich möglichst neutral Eckpunkte des derzeitigen Wahlkampfs in den USA aufzeigen und versuchen zu erklären, warum Donald Trump hierzulande so erfolgreich ist .Dazu dienen mir vorranging gesammelte Erfahrungen durch Gespräche mit Amerikanern, die Medien und meine Collegeklassen.

Trump oder Clinton? Dieser Frage sehen sich am 8. November über 200 millionen wahlberechtigte US Amerikaner gegenübergestellt. Es ist eine Konfrontation der Gegensätze wie es sie lange nicht mehr in diesem doch so modernen und einzigartigen Land gab. Demokraten vs. Republikaner, die Metropolen vs. die Landbevölkerung, arm vs. reich? Nein, ganz so einfach ist es dann doch nicht! Acht Jahre nach der Regierung Obama müssen die Bürger in den USA entscheiden, in welche Richtung ihr Land gehen soll. In einer Zeit die durch Fragen und Auswirkungen der Globalisierung, des Terrors, Einwanderung und eh und je wirtschaftlicher Interessen geprägt ist. Besonders interessant ist der Wahlkampf dieses Mal durch den geschlechtlichen Unterschied der Kandidaten, soll nach dem ersten `schwarzen´ Präsidenten eine Frau das Amt des Commander of Chief übernehmen?

New York Stock Exchange - Ein Foto das Bruno Koch während des New York Seminars machte

New York Stock Exchange – Ein Foto das Bruno Koch während des New York Seminars machte

Wenn wir den deutschen Medien glauben schenken dürfen ist dieser Wahlkampf zwar spannend, jedoch wird dem populistischen Gegner Clintons´ Trump jeder erdenkliche Fehltritt ob verbal als Tweet oder der gesamte Auftritt bei einer Wahlkampfaktion als weiterer Spartenstich ins eigene Grab da gelegt. Klar ist, dass die gemäßigten Ansichten Clintons dem Europäischen Ideal deutlich besser gefallen dürften als die teils wilden und undurchsichtigen Aussagen Trumps.  Um besser verstehen zu können warum ein Kandidat wie Trump trotz all der inzwischen aufgedeckten Schwächen dennoch eine reale Chance auf einen Sieg im Kampf um die 45. Präsidentschaft hat sollte ein Instrument dringend hervorgehoben werden. Die Medien, noch besser die Nutzung aller zur Verfügung stehenden Plattformen um neue Botschaften zu veröffentlichen. Nach meinen bisher gesammelten Erfahrungen waren amerikanische Bürger schnell bereit Ihre politische Ansicht mit mir zu teilen, erschreckend war jedoch, wie schnell der Versuch eines konstruktiven Gesprächs zu scheitern droht, da die Argumentationen nach spätestens ein oder zwei Sätzen nicht mehr vom eigens favorisierten Kandidaten oder Partei ausgeht, sondern sich nur noch und ausdrücklich darauf bezieht, wie schlecht doch die andere Seite sei.

Gemäß einer Studie des Pew Research Center in Washington D.C beschäftigen sich rund 2/3 Drittel der politischen Beiträge in den Medien mit Wahlkampf-Strategien und –Taktik. Etwa 12 % berichtet von Fehlern und Misserfolg der Kandidaten und ihrem Umfeld. Schon anhand dieser beider Zahlen lässt sich erahnen wie schwer es gerade mal 11% an inhaltlicher Berichterstattung haben, Gehör bei den Zuschauern und Zuhörern zu finden. Alt bekannt ist, dass sich schlechte Nachrichten besser verkaufen als positive, warum also teure Recherchearbeiten und lästige Interviews über komplizierte Inhalte liefern, wenn es doch viel einfacher ist, eine gute Quote zu erzielen. Transparente Demoskopie anhand sachlicher Themen gibt es kaum, einzig das lukrativste Material hat eine Chance in der Berichterstattung, man könnte auch sagen Quantität statt Qualität. Genau an diesem Punkt schlägt die Pulsader des Donald Trump, wie kein anderer versteht er es permanent neue Beiträge in den Medien zu veröffentlichen. Egal ob bei den großen Sendern im TV oder, und nicht erste seit gestern, in den sozialen Medien. Er unterhält, ist omnipräsent und pfeift dabei auf jede vorher dagewesen Korrektheit politischer Kodizes. Diese Mediale Strahlkraft bringt ihm nicht nur Gehör ein, sondern ist auch seine Versicherung im Kampf um die Präsidentschaft. Angeblich soll sich der Verkaufswert seines medialen Auftretens auf knapp 2 Milliarden US Dollar beziffern, eben ein Geschäftsmann.

Vergleicht man dagegen die mediale Präsenz Hillary Clintons zu der Ihres Gegners, wirken die Auftritte eher kühl und distanziert. Selbstverständlich ist auch Clinton in allen sozialen Medien aktiv, teilt Videos auf Facebook oder setzt Tweets ab, aber Ihr Unterhaltungswert geht aus Sicht der Medien eher in eine graue, eintönige Richtung. Viele Gegner Clintons wollen einen Wechsel an der Spitze Ihres Landes, weg von den über Jahrzehnte etablierten politischen Eliten denen auch Clinton angehört. Gerade deshalb ist die Story des fälschlicherweise benutzten privaten E-Mail Accounts zum Versenden von geheimen E-Mails ein so sehr diskutiertes Thema, weil Sie eben noch dieser politischen Korrektheit angehört. Eine rassistische Aussage Trumps liegt da inzwischen aus Sicht der Medien auf einer ganz anderen Waage. Es scheint fast so, als sei man inzwischen froh, wenn Herr Trump einen fehlerfreien Auftritt absolviert ohne verbale Entgleisungen, wohingegen jeder mögliche Fehler in Clintons Präsenz und Worten ausgiebig diskutiert wird.

Geht es in diesem Wahlkampf also weniger um Inhalte als die taktischen Spielchen des jeweiligen Gegners, diesen bloß zu stellen und in den Schatten zu stellen? Nicht ganz.

Bruno Koch ist in der Nähe von Chicago platziert - in Robinson, Illinois

Bruno Koch ist in der Nähe von Chicago platziert – in Robinson, Illinois

Hillary Clinton hat schon vorab angekündigt den Kurs von Barak Obama fortführen zu wollen. Sie setzt dabei zentral auf Themen der Gleichberechtigung, Gleichstellung und Stärkung der Mittelschicht bleibt aber an dieser Stelle viele konkrete Antworten schuldig. Ein Beispiel wäre die Fortsetzung des Green Power Plan, welcher die Abschaffung von Kohlekraftwerken und anderen umweltverschmutzenden Energiegewinnungsanlagen zur Folge hätte. Viele Jobs stehen dabei auf dem Spiel, gingen verloren oder müssten umgesiedelt werden, was verständlicherweise Unmut und Ängste bei den betroffenen Arbeitern und ihren Familien auslöst. Aber auch die Existenz ganzer Ortschaften, Landschaften wird damit in Frage gestellt, dies beträfe vorranging Staaten im Landesinneren. Die Mehrheit der Amerikaner identifiziert sich mehrheitlich mit ihrem Job oder Jobs. Der Job ist hier das große Stichwort, wenn also nun dieser Job verloren ginge oder möglicherweise Einwanderer diesen streitig machen könnten, ist das entmutigend. Donald Trump setzt wieder einmal genau hier an. Er verspricht eben diese Änderungen zu verhindern, Kohlekraftwerke und Vergleichbares sogar weiter auszubauen und damit letztlich die Jobs zu retten, beziehungsweise weitere zu schaffen. Seine Themen beziehen sich auf die Schaffung weiterer Jobs, die Ignorierung und somit Aufhebung internationaler Umwelt- und Handelsstandards, die es der Wirtschaft ermöglichen würden limitierte Ressourcen ungehindert abzubauen und den internationalen Wettbewerb negativ beeinflussen dürften. Desweitern steht der Bau eines gigantischen Zauns zur Grenze Mexicos auf der Agenda Trump 2016, um die illegale Einwanderung aus Zentralamerika zu stoppen. Die Kampagne „Amerika great again“ lässt sich als nicht US Amerikaner nur spärlich verstehen. Fühlt sich die immer noch Großmacht USA nicht mächtig genug? Auf welche Zeit soll sich das „again“ beziehen oder flankiert es nur die Parole um diese besser klingen zu lassen. Fakt ist, dass niemand den Fehler machen sollte diese Aussagen und populistischen Äußerungen zu belächeln, denn sie kommen bei den potenziellen Wählern an, egal ob Mann oder Frau.

Ich habe an dieser Stelle lange überlegt, ob ich die folgende Geschichte tatsächlich in diesen Artikel anbieten soll, da sie einzig die Vorstellung einer einzelnen Person repräsentiert und Ich mir nur schwer ausmahlen mag, dass dies eine generelle Idee zu einem „great again“ sein kann.

Auf die Frage, wie der Bezug zu „Great again“ zu deuten sei, wurde mir das Beispiel des römischen Reichs serviert. Es war gigantisch, hatte klare Grenzen und war christlich religiös. Mir wurde versucht klar zu machen, dass die damals immer mehr laissez-fairen Regeln und kulturellen Entwicklungen den Zerfall des Reichs verursacht hätten. Zugegeben, in dieser Aussage steckt nicht nur politischer Größenwahn sondern auch die Vermischung von Staat und Religion, dennoch wird deutlich in welchen Dimensionen vereinzelt gedacht wird.

Vielleicht sollte man an dieser Stelle noch erwähnen, dass es auch eine große Anzahl von Wählern gibt, die sich für keinen der beiden Kandidaten begeistern können und überraschend schnell zugeben, zwischen Schlecht und Schlechter wählen zu müssen, sofern sie denn wählen. Aus diesem Misstrauen der etablierten Parteien wächst aktuell eine Kultur der dritt Partei und diese erfreuen sich regionsabhängig zunehmender Beliebtheit.

Wer auch immer die Wahl am 8. November gewinnen wird, die Menschen und politischen Lager in den Vereinigten Staaten von Amerika werden am Ende wohlmöglich sehr weit auseinander liegen und die Gefahr besteht, einen noch größeren Riss durch die vielschichtige Gesellschaft dieses Landes zu provozieren.

Bruno Koch unterwegs in New York

Bruno Koch unterwegs in New York

Bruno Koch

Teilnehmer des 33. PPP

Aus Robinson Illinois

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