skip to Main Content
34. PPP CIPler

Congressional Internship Program: Im Antlitz der Geschichte

Ein Teilnehmerbericht des 33. PPPs

Ich liege gut in der Zeit. Noch einmal kurz innehalten, das Schild an der Wand lesen, Orientierung suchen. Ich gebe Acht darauf, niemandem im Weg zu stehen. Es herrscht lebendiger Betrieb im Bürogebäude des Senats. Schließlich finde ich den Raum. Draußen warten viele Anzugträger, chic gekleidete Frauen und einige Reporter mit Kameras und Laptops. Wenige Minuten des Wartens verstreichen. Plötzlich ruft einer der beiden bewaffneten Polizeibeamten, die vor der Eingangstür wachen:
„All right guys, get ready to enter! Press and staff first.“

Paul Kreutzer berichtet von seinem Praktikum im US Congress

 
Zögernd blicke ich an meinem Anzug herunter. Am Hosenbund hängt mein Praktikantenausweis. ‚Ob ich damit wohl als ‚Staff‘ durchgehe?‘, denke ich mir unsicher. ‚Was soll’s – no risk, no fun!‘ Also reihe ich mich mutig in die Schlange ein. Nach einem kurzen, prüfenden Blick auf meinen Ausweis winkt der Polizist mich durch. ‚So weit, so gut.‘ Zwischen dem Außenbereich und dem Anhörungssaal befindet sich ein Zwischenraum. Acht uniformierte Polizisten erwarten die Besucher dort. Sie haben sich in zwei spitz zueinander zulaufenden Reihen postiert, sodass man genau zwischen ihnen hindurch laufen muss, um in den Saal zu gelangen. Jedes der Gesichter starrt mich aufmerksam an, während ich versuche, mich unauffällig zu bewegen. Einer der Beamten grüßt: „Good morning!“ Bemüht respektvoll erwidere ich den Gruß. Die Anspannung ist ihm anzusehen. Mir wahrscheinlich auch.
Kurz darauf beginnt die öffentliche Anhörung des Kandidaten für das Amt des CIA-Direktors, Mike Pompeo. Es ist eine der weniger kontroversen Personalien des neuen Trump-Kabinetts; dennoch muss er sich kritischen Fragen stellen. Würde er verbotene Foltermethoden anwenden lassen, wenn der Präsident ihm entsprechende Anweisungen gäbe? Wie beurteilt er den Einfluss Russlands auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen? Welchen Weg wird er einschlagen, um das angespannte Verhältnis Donald Trumps zu den amerikanischen Geheimdiensten zu verbessern?

Paul Kreutzer und Mit-CIPler Ersin Demircan am Washington Monument

Leider kann ich nicht bis zum Ende bleiben, da ich mich schon wieder auf den Weg zum nächsten Termin machen muss. Ich erhalte eine Einweisung, wie man Besuchergruppen durch das historische Kapitolgebäude führt. Der Lehrgang dauert über drei Stunden; außer mir nehmen etwa 80 andere „Interns“ an der Schulung teil. Sie alle haben gerade ihr Praktikum im Senat oder im Repräsentantenhaus begonnen. Während uns der erfahrene Tour-Guide durch die Hallen und Korridore des Kapitols leitet, betont er, wie wichtig es sei, niemals Politikern den Weg zu versperren. Doch kaum hat er es gesagt, schlängelt sich der kalifornische Politiker Kevin McCarthy an uns vorbei. „Excuse me!“, gibt er dabei genervt von sich. Zwei groß gewachsene Beamte des Secret Service eskortieren ihn.
Es ist faszinierend, wie sich in Washington, D.C. das politische Tagesgeschehen und die ehrwürdige Geschichte dieser außergewöhnlichen Republik vermischen. Dabei kommt es mir gerade so vor, als würde ich Tag für Tag hautnah miterleben, was später in Geschichtsbüchern niedergeschrieben wird. Wie das Abenteuer Trump für die USA und die Welt letzten Endes ausgehen wird, lässt sich momentan nur mutmaßen. Hoffen wir das Beste.

Ein Beitrag von Paul Kreutzer, CIP-Teilnehmer 33. PPP

Schreibe einen Kommentar

Back To Top