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Arundathi Und Ihre Freunde

Auf der Suche nach vertrauten Geschmäckern

Ein Artikel von Arundathi Sharma (US-Teilnehmerin des 34.PPP)

Eingewöhnung

Nach zwei Wochen an CDC hatte die Gruppe der Amerikanern in Köln sich schon gut eingelebt. Sie konnte jetzt verschiedene Sorten Brotes erkennen, hat schon alle Marken Kölsch probiert, und jeder hat seinen eigenen Lieblingsdönerladen gefunden. Aber für jeden fehlt noch etwas besonderes von der Heimat. Die folgende ist eine kurze Geschichte einer Indo-Amerikanerin die Erfahrungen mit Indogermanen gesammelt hat.

Ich war auf der Suche nach den vertrauten Geschmäckern des hausgemachten Essens meines Zuhauses. Mein ganzes Leben habe ich meistens nur indisches Essen, kocht von meiner Mutter, gegessen. Und wenn ich nicht zuhause geblieben bin (zum Beispiel sommers, wenn ich ein Praktikum hatte), habe ich immer das Essen selbst gemacht. Weil meine Familie Vegetariern sind, ist es für uns immer schwierig etwas Essbares in Restaurants zu finden. Unsere südindische Küche ist auch nicht sehr bekannt und ist natürlich auch ein grosser Teil unserer Kultur, den wir erhalten wollen. Deswegen essen wir immer zuhause und meistens indisch. Aber seit ich nach Deutschland gekommen bin, esse ich oft außer Haus und immer deutsch (lass uns sagen, dass Falafel aus einem Dönerladen auch jetzt zur Deutschen Küche gehört). Ich habe ein schlechtes Gewissen deswegen gehabt. Ich ging auf die Suche nach einem indischen Supermarkt, um meine Familientradition zu retten, und auch um gesünderes Essen und Struktur in mein Leben zu bringen.

Hier in Köln gibt es nicht so viele Inder. Im Internet habe ich nur (ost)-“asiatische” oder spezifisch chinesische Supermärkte gefunden. Einer von denen hieß “Asiatisch- und Afro-Laden”; dieser allumfassende Name (Asien und Afrika sind die zwei grössten Kontinente!) hat mich als Amerikaner so verwundert, dass ich entschieden habe, dahinzugehen. Es hat mich dann gefreut, Bilder von dem Laden zu sehen, die zeigen, dass das Ladenschild auf Englisch, Hindi, und Tamil geschrieben war. Das Geschäft musste unbedingt die Linsen, Gewürze, und Snacks, die ich haben wollte, und am Freitag nach der Schule ging ich dahin.

Ich habe alles gefunden. Nicht so frisch wie zuhause, aber der Laden hatte hauptsächlich indische Sachen und fast alles, was ich wollte. Ich habe einen Dampfdrucktopf ausgecheckt, und der pandschabische Besitzer hat versucht etwas auf Hindi zu erklären; ich kann fast kein Hindi. Er sattelte auf Deutsch um: “Wohnst du in Köln?”

Wir haben ein bisschen geredet über Inder und Politik in den USA und Indien, aber dann kamen eine Frau mittleren Alters und ihre Mutter aus der Türkei zur Kasse.

“Entschuldigung, aber viele Türken können nicht so gut Deutsch wie Sie,” sagte der Besitzer. Die ältere Frau schien nicht beleidigt, aber sie erklärte, dass sie keine grosse Familie in Deutschland habe, und sie deshalb Deutsch lernen müssen. Viele von ihrer Familie waren in den USA. Der Besitzer zeigte auf mich: “Ja, gucken Sie mal, sie kommt aus den USA! Viele Inder sind auch da. Aber ich bin hier in Deutschland jetzt über 40 Jahre!”

Die Frauen und der Besitzer und ich diskutierten die Erfahrungen von Einwanderern wie sie.

“Hier bin ich Ausländer. Und dann, wenn ich in der Türkei fliege, sagen die Leute, ‘Jetzt kommen die Deutschen,’ also bin ich da auch Ausländer,” sagte die Frau. Das war mir auch eine sehr bekannte Geschichte. Der Besitzer stimmten zu, “…Aber wir leben gut,” und murmelten die anderen zustimmend. Sie waren dankbar, dass sie besser als zum Beispiel die Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland leben konnten, obwohl ihre eigene Heimat sie wie Ausländer behandelte. Bevor die Frauen weiter gingen, hatte ich keine Zeit weitere Fragen zu stellen, aber sie versprachen, Kekse mitzubringen zu unserem nächsten “Kaffeeklatsch”.

Es war jetzt schon spät, und ich hatte nicht Lust nicht zu kochen, sondern zu entspannen und mit Freunden zu quatschen. Ich habe den Besitzer um eine Empfehlung eines guten indischen Restaurants gebeten, und dann habe ich die Freunde eingeladen. Wir waren gleich im Restaurant, Ganesha in der Nähe vom Rudolfplatz. Es war sehr dunkel drinnen, aber die Atmosphäre war freundlich. Aber egal; ich wollte wissen, wie deutsch-indisches anders als amerikanisch-indisches Essen schmecken würde, und deswegen habe ich mich mehr für die Speisekarte interessiert. Noch wichtiger: ich hatte riesigen Hunger.

Die Beschreibung indischer Gerichte war ein bisschen anders. Zum Beispiel, in Deutschland gibt es viele Sorten Käse, und die Leute hier interessieren sich dafür, welche Sorte zu welchem Brot oder Geschmack passt. Aber in den USA sind die Sorten nicht so vielfältig und deswegen nicht so wichtig. Also, die Beschreibung von paneer in den USA ist einfach “indischer Käse,” aber in Deutschland ist es “indischer Frischkäse.” Aber meistens war die Auswahl ziemlich normal für ein indisches Restaurant, das sich nicht in Indien befindet.

Ich habe versucht (wie immer) Leitungswasser zu bestellen, obwohl ich weiss, dass es oft nicht ausgegeben wird. Der Kellner hat mich ein bisschen peinlich angeguckt, irgendwas auf Hindi, das ich nicht verstehen konnte, gesagt, und endlich das Wasser für mich und eine Freundin, die es auch bestellt hat, gebracht. Das Essen war nach deutscher Präferenz gemacht: Minz-chutney ist nicht so scharf gemischt mit Joghurt, und Chana Masala “(scharf)” war mir einfach nicht scharf. Aber alles schmeckte uns gut, und die Küche hat uns noch kostenlos Saft gegeben. Ich war satt am Ende.

Ich habe dem Kellner erklärt, dass ich aus den USA gekommen bin und kein Hindi konnte.

“Ach, mein Deutsch ist nicht so gut, und deswegen rede ich auf Hindi mit dir.” Ich hatte vorher nie einen indisch-deutschen Akzent gehört. Er hat auch den Besitzer des “Asiatisch-Afro Markt” gekannt:“Der Mann mit dem Turban, oder?” und er hat seine Hände den Kopf umgedreht, zu zeigen was er meint. Ich habe keine weiteren Fragen gestellt, aber ich hatte das Gefühl, dass er eigentlich ganz gut Deutsch konnte.

Meine Freunde und ich sind den Rest der Nacht durch die Stadt gebummelt, und in der Bahn auf dem Weg nach Hause hat ein betrunkener Typ hat mich gefragt, “Darf ich etwas fragen? Du musst nicht antworten.” Ich hatte schon eine Idee über das, was er fragen wollte.

“…Pakistan?” Meine Vermutung war fast richtig.

“Nein.”

“Ah! Indien!”

“USA…Und meine Eltern kommen aus Indien.” Ich ärgere mich immer, wenn ich diese Konzession bei dieser Frage mache.

Ich schreibe jede Nacht in mein Tagebuch, bevor ich ins Bett gehe, und diesen Tag hatte ich viel zu schreiben. Zum ersten Mal hatte ich fast einen ganzen Tag mit Ausland-Deutschen verbracht. Sie essen mein Essen und waren kontaktfreudig und freundlich, im Gegensatz zum Klischee Deutschen, aber sie waren noch so deutsch wie meine Gastfamilie oder die Leute auf der Strasse. Ihre Gesellschaft war mir sofort vertraut, aber ihre Erfahrung ist bestimmt anders als die der amerikanischen Einwanderer, wie meine Elternes sind. Bei ihnen hatte ich das Gefühl, dass ich fast in “Deutschland nach meiner Art” bin.

Ich habe mich nie so gefreut auf das Einkaufen von Lebensmittels.

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