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Arbeiten In Den USA: Ein Blick Hinter Die Kulissen Des Kapitols

Arbeiten in den USA: Ein Blick hinter die Kulissen des Kapitols

Mein Praktikum „on the Hill“ – von Alend Gravi

Alend Gravi aus Saarbrücken ist Teilnehmer des 35. PPP und verbringt zurzeit ein spannendes Jahr in Portland, Oregon. Er, sowie vier weitere Teilnehmer wurden für das „Congressional Internship Program“ ausgewählt, bei dem sie für sechs Wochen den Alltag eines Kongressabgeordneten oder Senators kennenlernen und hinter die Kulissen der Arbeit am Kapitol blicken konnten. Tolles Plus ist natürlich auch das Leben in der Metropole und Hauptstadt der USA – Washington D.C.

Freitag, 01.03.2019: Es ist wieder Wochenende – großartig und schade zugleich. Großartig deshalb, weil das Wochenende für einen CIP-Teilnehmer sehr wertvoll ist – und zwar nicht nur zum Ausschlafen, sondern viel mehr um all die Sehenswürdigkeiten hier in Washington, D.C. besichtigen zu können. Hier im 177-km²-großen und fast 694.000-einwohnerreichen Bundesdistrikt, in dem sich die Spitzen aller drei verfassungsmäßigen Gewalten befinden, gibt es einiges zu sehen und zu bestaunen.
Zum anderen schade, da dieser Freitag auch das Ende unseres Kongresspraktikums einläutet. Die letzten sechs Wochen waren wirklich unglaublich. Unglaublich lehrreich, unglaublich interessant und unglaublich verrückt.

Alend im Gespräch mit Jeff Merkley, Senator des Bundesstaates Oregon

Diese letzte Woche war aber wirklich der krönende Abschluss einer tollen Zeit. Neben meiner üblichen Arbeit gab es durchaus einige Highlights, die ich euch natürlich nicht vorenthalten will.
Zu den üblichen Aufgaben, die ich als Praktikant für meinen Kongressabgeordneten erledigen durfte, gehören unter anderem das Durchführen von Telefonaten mit der Wählerschaft des sechsten Kongresswahlbezirks Maryland. Dabei hört man ohne jeglichen Filter direkt die Belange der Wählerinnen und Wähler und kann sich immer ein gutes Meinungsbild über die aktuelle politische Stimmung machen. Telefonate häufen sich insbesonders, wenn kürzlich, gerade auch kritische Gesetzesvorschläge vorgebracht wurden. In dieser Hinsicht stelle ich fest, dass Demokratie hier relativ lebendig ist – denn jeder gibt seine Meinung kund, und zwar unabhängig davon, welche Ansicht er oder sie vertritt. Obwohl ich im Büro des demokratischen Repräsentanten David Trone gearbeitet habe, riefen Menschen auch aus den gegensätzlichen politischen Lagern an; die Bandbreite war groß.

Alend mit Rep. John Lewis

Zu anderen alltäglichen Aufgaben zählte es auch Botengänge zu erledigen, wie das Abgeben von Briefen bei anderen Büros oder aber auch der Sammlung von Unterschriften. Doch gibt es eindeutig schlimmere Arbeitsplätze, um diese Art von Job zu erledigen. Denn so kam ich in den Genuss, die wunderschönen, historischen Hallen des Kongresses besser kennen zu lernen. Dabei läuft man nicht nur an bedeutenden Büros, wie dem des Haus-Mehrheitsführers („Majority Leader“) oder der Haus-Sprecherin („Speaker of the House“) vorbei – oder geht auch mal hinein –, sondern trifft auch auf viele Kongressmitglieder.

Neben einzelnen Projekten und Führungen durch das US-Kapitol durfte ich auch Briefings und Hearings besuchen – für einen „Congressional Intern“ die schönste Sache der Welt.
Sogenannte Briefings werden im Kongress von Experten aus dem öffentlichen, privaten und dem Nonprofit-Sektor gehalten, deren Ziel es ist, Kongressmitglieder bzw. deren Angestellte und die Medien zu informieren, aber auch um ein Forum für Diskussionen über aktuelle politische Themen zu bieten. Diese Briefings werden des Öfteren ebenfalls von bestimmten Interessensgruppen („Lobbyisten“) oder von Experten der sogenannten „Thinktank“-Szene gehalten. Solche Veranstaltungen zu besuchen ist insbesondere für neu eingezogene Kongressabgeordnete wichtig. Mein Kongressabgeordneter David Trone ist letztes Jahr das erste Mal in den Kongress gewählt worden – wird im Washingtoner Jargon daher als „Freshman“ bezeichnet – und war somit häufig bei dieser Art Meetings dabei.

Bundestagsabgeordneter und Staatssekretär Niels Annen mit Alend und drei der anderen CIPler

Zu meinen Highlights der letzten Woche zählt definitiv ein Event zur Zukunft Europas mit Bundestagsabgeordneten und Staatssekretär Niels Annen am Montagabend. Die anderen CIPler und ich waren durch die Bank weg begeistert.

Der Mittwoch war ein ebenso ereignisreicher Tag: Ich durfte bei einer Tour durch das US-Verteidigungsministerium (Pentagon) teilnehmen – wirklich sehr interessant. Im Kongress war derweil auch einiges los. Der ehemalige Anwalt von Donald Trump, Michael Cohen wurde zu verschiedenen Vorwürfen von mehreren Kongressabgeordneten bei einer öffentlichen Anhörung befragt. Als ich am späten Nachmittag für einen Botengang losgeschickt wurde, kam ich per Zufall an dem überfüllten Anhörungssaal vorbei. Und das genau zu der Zeit, in der Cohen rauseskortiert wurde und die Blitze der Fotografen auf ihn niederprasselten. Langweilig wird es als CIPler definitiv nie!
Interessant ging der Tag weiter mit einem Treffen zwischen meinem Kongressabgeordneten und zwei SPD-Bundestagsabgeordneten, Metin Hakverdi und Dr. Rolf Mützenich. Im Anschluss an ihr Gespräch durfte auch ich mich mit Ihnen unterhalten und über meine Zeit in den USA berichten.

Alend mit den SPD-Bundestagsabgeordneten Metin Hakverdi und Dr. Rolf Mützenich

Der Mittwoch hatte es in sich. Am selben Tag wurden zwei wichtige Vorhaben im Repräsentantenhaus verabschiedet: Zum einen das vielbesprochene H.R. 8, das parteiübergreifende Background-Check-Gesetz für das Kaufen von Waffen, sowie die H.J.Res.46, die Resolution gegen die Nationale Notstandserklärung des Präsidenten Donald Trump. Beide Vorhaben wurden nun an den Senat überwiesen – es bleibt also spannend!

Der offizielle Abschied kam dann am Samstag mit einer Abschiedsparty, die von der Geschäftsführerin von Cultural Vistas veranstaltet wurde. Dort wurden meine CIPler-Kollegen und ich von CBYX-Alumni und anderen Personen verabschiedet. Ein toller Tag, der mir in Erinnerung bleiben wird.

All in all waren es unglaubliche sechs Wochen und ich kann nur jedem (zukünftigen) PPP-Teilnehmer empfehlen, sich für das „Congressional Internship Program“ zu bewerben – ihr werdet es nicht bereuen!

Vielen Dank an dieser Stelle an die GIZ GmbH, Cultural Vistas, PPP/CBYX, das State Department und an alle, die mich auf meinem bisherigen Weg unterstützt haben.

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